Der Visionär der Sagrada Familia: Antoni Gaudí i Cornet

Antoni Gaudi holt die weichen Formen der Natur in die Stadt zurück, Fotos: laiadin
In diesem Jahr am 10. Juni jährt sich der 100. Todestag von Antoni Gaudí, dem berühmtesten Sohn Barcelonas. Mit seinem einzigartigen Baustil, der Elemente des Modernisme mit den Formen der Natur verband, prägt er bis heute das Bild dieser Stadt.
Am 25. Juni 1852 wurde Antoni Gaudí als jüngstes von fünf Geschwistern in Reus (oder in einem nahegelegenen Dorf) als Sohn eines Kupferschmieds geboren. In der Werkstatt seines Vaters wurde er schon früh mit dem Formen und Gestalten von Materialien vertraut. Bereits als Kind war er kränklich und litt an einer rheumatischen Schwäche, die ihn daran hinderte, mit anderen Kindern zu spielen. Stattdessen beobachtete er die Natur, für die er eine Vorliebe entwickelte, die auch seinen späteren naturgeprägten Architekturstil erklärt.
Er ging in Reus auf die Schule der Piaristenpatres, einer katholischen Ordensgemeinschaft, und später von 1873 bis 1878 auf die Architekturschule in Barcelona. Er war hier nicht für besonders gute Ergebnisse bekannt, doch als seinen Mitschülern überlegener kreativer Zeichner. Gaudí galt als eigen, widmete sich geschwungen Linien, organischen Figuren und schier unmöglichen Strukturen, was den Direktor zum Abschluss seines Studiums den berühmten Satz sagen ließ: „Wer weiß, ob wir das Diplom einem Verrückten oder einem Genie gegeben haben – nur die Zeit wird es uns sagen.“
Studienbegleitend arbeitete er für verschiedene Architekturbüros und begann eigene Projekte. Sein erster bedeutender Auftrag war die Planung einer Fabrik und einer Arbeitersiedlung. Die Freundschaft mit Eusebi Güell, der ihn förderte und ihm finanzielle Unterstützung bot, führte zu bedeutenden Projekten wie dem Park und dem Palau Güell. Es folgten noch weitere Meisterwerke, wie die Casa Batlló, Casa Pedrera und Casa Mila.
Mit nur 31 Jahren erhält Gaudí den Auftrag, die Sagrada Familia zu bauen. Ganze 42 Jahre seines Lebens wird er sich diesem Werk widmen.
Gaudí, ein attraktiver blonder Mann mit blauen Augen heiratete nie, sondern entschied sich nach einer gescheiterten großen Liebe, für ein asketisches Leben. Er wandte sich auch zunehmend dem Glauben zu, wurde zu einem streng gläubigen Katholiken, der jeden Tag zur Messe und zur Beichte ging. Seit dem Jahr 2000 läuft sogar ein Seligsprechungsverfahren für Gaudí.
Ab 1906 lebte er mit seinem Vater und einer Nichte in einem Haus im Parc Güell, das seit 1963 als Casa-Museu Gaudí an ihn erinnert.
Als sein Vater und auch seine Nichte starben, blieb er allein und entschloss sich, irgendwann ganz in die Werkstatt der Sagrada Familia zu ziehen und in diesem Meer von Plänen und Modellen zu leben.
In der Sagrada Familia wurde er immer mehr zum Einzelgänger, war schweigsam, enthaltsam und lebte streng vegetarisch. Er trug die gleichen Kleider Tag ein Tag aus, bis sie zerrissen waren, war ungepflegt und sah aus wie ein armer Mann – weit entfernt von dem Bild des jugendlichen Dandys, der er einst war.
Er sah so ärmlich aus, dass ihn der Fahrer der Straßenbahn, die ihn an jenem schicksalshaften 7. Juni 1926 anfuhr, einfach von der Straße wegzog und liegen ließ. Gaudí war schwer verletzt und starb drei Tage später in einem Armenhospital.
Zu seiner Beerdigung kam eine riesige Menschenmenge – ein Zeichen dafür, dass Gaudí zu Lebzeiten schon ein viel beachteter Architekt und eine angesehene Person war. Er wurde in der Krypta der Sagrada Familia beigesetzt, einer der wenigen Bereiche, der damals bereits fertiggestellt war.
Heute gilt Gaudí als Ikone der Architekturgeschichte, seine Werke ziehen jährlich Millionen Touristen an und zu Recht zählen seine Bauten seit 1984 zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Von Gaby Götting, April 2026
Schlagwörter: Architektur
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