Nachwuchsseite DSB: Music&Memory:

Musik spielt in unserem Leben bis ins Alter eine wichtige Rolle. KI-generiertes Bild
Möge es so ein Projekt geben, wenn wir alt sind!
Von Katrin J. Wagner, September 2026
Im Schuljahr 2025/26 nahmen zwei 10. Klassen am Pilotprojekt „Music&Memory“ teil. Regelmäßig verbrachten sie Zeit im Altenwohnheim Residencia La Mallola und lernten, welche Rolle Musik im Laufe eines Lebens spielen und welchen Einfluss sie auf Menschen mit Demenz haben kann. In außergewöhnlichen Gesprächen erfuhren sie, wie Musik als Brücke zu den eigenen Erinnerungen fungiert.
Anfangs lag der Fokus darauf, den älteren Menschen durch Aufmerksamkeit, Interesse und Empathie eine gute Zeit zu ermöglichen. Nachfolgend offenbarten sich greifbare Lebensweisheiten: Lerne den Moment zu genießen und das Leben voll auskosten! Verbindungen zwischen Menschen sind alterslos…
Erlebnisbericht: Wie ich Antonio glücklich machte – und er mich!
Bei einem Treffen von „Music&Memory“ lernte ich Antonio kennen. Wir begannen ein Gespräch, so als würden wir uns schon lange kennen, und sahen uns in den darauffolgenden Wochen immer wieder. Er erzählte mir von seinen Erlebnissen und seiner Herkunft, ich ihm von meinen Reisen und Erlebnissen.
Alle Treffen von „Music&Memory“ verbrachten wir zusammen. Wir vertieften unsere Freundschaft, die etwas ungewöhnlich war, da er fast 80 Jahre älter war als ich. Für das letzte Treffen am 12. Dezember hatte ich ein Buch mit einer Widmung vorbereitet, das ich ihm zu Weihnachten schenken wollte. Doch ich wurde krank und konnte nicht kommen. Ich erfuhr, dass Antonio an diesem Tag früh ging, mit Tränen in den Augen und gesenktem Kopf, weil er sich nicht von mir verabschieden konnte.
Daraufhin beschloss ich, ihn in den Weihnachtsferien zu besuchen. Ich wohne nicht direkt neben dem Pflegeheim, sondern mit öffentlichen Verkehrsmitteln etwa anderthalb Stunden entfernt. Am 21. Dezember überraschte ich ihn in seinem Zimmer. Er begrüßte mich mit einem breiten Lächeln, sichtlich überrascht, mich zu sehen. Wir unterhielten uns lange und ich gab ihm das Buch, das ich für ihn vorbereitet hatte. Am Silvestertag rief ich Antonio an, um ihm alles Gute für das neue Jahr zu wünschen. Ich fragte, ob er das Buch schon begonnen hätte. Er antwortete, er hätte es schon dreimal gelesen.
Als ich im Februar erfuhr, dass Antonio erkrankt war, wollte ich ihn gleich am nächsten Nachmittag besuchen. Nach zwei Monaten würden wir uns wiedersehen! Doch als ich ankam, wurde ich von der Nachricht überrascht, dass er am Morgen verstorben war. Darüber war ich sehr traurig.
Mein Vater fuhr mich am nächsten Tag zum Bestattungsinstitut, in dem Antonio aufgebahrt war. Es gab viele Trauergäste. Ich fragte einen Mann, ob er mit Antonio verwandt wäre. Dieser wiederum fragte mich, ob ich „der Junge mit der Widmung“ wäre. Als ich nickte, wischte er sich die Tränen aus den Augen und stellte sich als Antonios Sohn Alex vor. Sofort wollte er mich auch seinen drei Brüdern vorstellen. Es überraschte mich sehr, dass dort alle wussten, wer ich war! Nachdem ich an Antonios Sarg Abschied genommen hatte und zu meinem Vater ist Auto steigen wollte, kam Alex zu uns und gratulierte meinem Vater zu seinem Sohn, zu mir…
Einige Wochen später nahm Alex zu mir Kontakt auf, da er mir etwas schenken wollte. Wir sahen uns in den Osterferien und er gab mir ein Buch, welches die Familie Antonio zu einem seiner Geburtstage geschenkt hatte. Ich schlug es auf und las eine Widmung, die meiner eigenen sehr ähnelte. Es waren wunderschöne Worte und am Ende stand: „Möglicherweise von Antonio gewidmet.“
Die Familie hatten sich große Mühe gegeben, darüber nachzudenken, wie Antonio es wohl für mich formuliert hätte! Ich fand das großartig! Aber es kam noch besser: Ich bekam ein weiteres Buch geschenkt, eines von Antonios Lieblingsbüchern, in das mir alle seine vier Söhne eine persönliche Widmung geschrieben hatten. Das hat mich sehr glücklich gemacht!
Das Projekt „Music&Memory“ war für mich etwas ganz Besonderes! Am wichtigsten ist es, dass ältere Menschen schöne Momente erleben, die sie genießen können. Und dafür braucht es gar nicht viel Zeit.
Luca Mena Menal, 10. Klasse

Schlagwörter: Deutsche Schule Barcelona
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