Austausch stärken, Zusammenarbeit fördern

Die Wissenschaftlerin Nuria Bayo (li) hatte eine klare Botschaft – Große gesellschaftliche, ökologische und wirtschaftliche Herausfor-derungen lassen sich nur gemeinsam und mit neuen Denkansätzen lösen
Foto: Gaby Götting
Klub Hannah März
Im März war Nuria Bayó Puxan zu Gast im Klub Hannah – mit einer klaren Botschaft: Große gesellschaftliche, ökologische und wirtschaftliche Herausforderungen lassen sich nur gemeinsam und mit neuen Denkansätzen lösen. Welche Rolle wollen wir Frauen dabei übernehmen?
Sie nahm uns auf eine Weltreise durch die Länder mit, in denen sie studiert und gearbeitet hat. Es ging für sie sowohl um die berufliche Weiterentwicklung, die Teilnahme an innovativen Forschungsprojekten, als auch darum, ein intaktes Familienleben mit Kindern aufzubauen. Ein hoher Anspruch, der in der Forschungswelt noch nicht unbedingt unterstützt wird. Nach einigen Monaten der Erforschung von heilenden Substanzen bei Schwämmen in Australien, forschte sie zwei Jahre an der McGill University und der Université de Montréal in Kanada, wo sie den Dialog zwischen Kulturen schätzen lernte, obwohl es eigentlich darum ging, Medikamente gegen den Krebs zu finden und zu generieren. Dort bekam sie auch ihre erste Tochter. Danach ging sie an die ETH Zürich in der Schweiz, wo man ihr als Mutter wegen des Kindes einen weniger verantwortungsvollen Job gab, also nicht ihrem Ausbildungsprofil entsprechend. Und hier kamen dann ihre Zwillinge auf die Welt. In dem Forschungslabor, wo sie arbeitete, mussten die Standardsicherheitsmaßnahmen angepasst werden als sie schwanger war. Das war Neuland für das Labor. Daran hatte noch niemand gedacht. Eigentlich ist es für Frauen eher üblich, erstmal die Karriere anzustoßen und sich dann auch noch für Kinder zu begeistern, aber sie hatte sich dafür entschieden, beides von Anfang an miteinander zu verflechten. Und für sie war es ein echter Gewinn, auch wenn die Tage oft nicht genug Stunden hatten, um alles zu schultern. Gutes Durchtakten und Effizienz sind notwendig und nicht lockerlassen. Mit drei Töchtern im Gepäck machten sie und ihr Mann sich dann wieder nach Barcelona auf, wo sie promovierte, und feststellte, dass die Fähigkeiten, die Mütter besonders während der Verbindung von Erziehung und Job erlangen, nicht ausreichend geschätzt werden. Oft wird nur eine Überbelastung gesehen, nicht dass da eine Frau arbeitet, die hervorragend organisiert ist und deren Effizienz beispielhaft ist.
Am Barcelona Institute of Science and Technology (BIST) setzte sie sich für Interdisziplinarität und die gesellschaftliche Wirkung von Spitzenforschung ein. Heute arbeitet sie an der Universitat Pompeu Fabra. Dort kümmert sie sich um Forschung und Innovation für soziale Themen und bringt Universität und Gesellschaft zusammen. Sie leitet die Initiative „Regions of Knowledge“ bei der katalanischen Regierung, ein mit 55 Millionen Euro dotiertes Instrument im Rahmen des EU-Programms FEDER 2021–27, das darauf abzielt, die Forschungs- und Innovationskapazitäten in ganz Katalonien zu stärken. Allianzen werden zwischen Universitäten, Forschungszentren und der Industrie aufgebaut, um Innovation und gesellschaftlichen Wandel mithilfe der „Shared Agendas“-Methodik voranzutreiben. Dabei steuert sie verschiedene Interessengruppen auf gemeinsame Ziele, um transformative Innovationen zu fördern. Einige der Teilnehmerinnen hatten im Rahmen dieses Programms schon persönlich mit ihr zusammengearbeitet, sodass wir auch dort von konkreten Beispielen lernen konnten.
Besonders liegt ihr auch das Projekt: „Mehr Frauen in die Wissenschaft“ am Herzen, bei dem an jedem 11. Februar 450 Wissenschaftlerinnen in Schulen in ganz Katalonien gingen, um ihren Beruf vorzustellen und dazu einzuladen, auch Wissenschaftlerin zu werden und auch den Jungs zu zeigen, dass sie vielleicht gerade neben einer angehenden Wissenschaftlerin sitzen.
Ihr Fazit: Um echte Innovation zu ermöglichen, müssen Silos aufgebrochen werden und die Kompetenzen von Frauen stärker als bisher anerkannt werden, indem man ihre Erfahrungen in verschiedenen Lebensabschnitten ernster nimmt und als wertvolle Fähigkeiten einschätzt.
Von Ina Laiadhi, März 2026
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Klub Hannah am 13. Mai 2026
mit Victoria Tissot, Ukrainische Kulturschaffende
Goethe Institut Barcelona
Carrer de Roger de Flor, 224 Barcelona

Schlagwörter: Klub Hannah in Barcelona
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