Surreale Fotografie: Kopfkino in Worte gefasst
Von Katrin J. Wagner, Mai 2026
Der preisgekrönte Fotokünstler Chema Madoz aus Madrid versteht seine surrealen Fotokompositionen als „offene Bilder ohne Titel“. Der jeweilige Betrachter solle frei sei, sich seine eigenen Gedanken und Interpretationen zu machen. Die Aufgabenstellung für die 9. Klasse deckte sich mit diesem Selbstverständnis. Die Schülerinnen und Schüler sollten sich im Internet ein Werk von Madoz suchen, das sie ansprach. Welche Gedanken ihnen dabei kamen, wie sie sich fühlten, das fassten sie in eigene Worte.
Liebe Leserinnen und Leser, nachstehend finden Sie die sehr inspirierenden Texte der DSB-Jugend mit der Aufforderung, diese erst einmal zu lesen. Welche Bildkomposition nimmt vor Ihrem inneren Auge nun Gestalt an? … Wunderbar! … Jetzt sei es gestattet zum Handy zu greifen, um Madoz‘ Original zu suchen. Viel Spaß!
Flosse im Wald
Das Bild zeigt eine Walflosse, die gewissermaßen aus einer Holzoberfläche auftaucht. Dabei sieht diese Holzoberfläche durch ihre runden Maserungen so aus, als wäre sie eine Meeresoberfläche.
Diese schwarz-weiße Darstellung bringt mich in eine nachdenkliche Stimmung. Dabei ist es faszinierend zu sehen, wie die gegensätzlichen Welten des Meeres und des Waldes auf diesem Bild so perfekt miteinander harmonieren: Die Flosse, ein Symbol des Ozeans, ruht auf dem Holz, das den Wald repräsentiert. Und schafft so eine unerwartete, aber gleichzeitig perfekte Verbindung.
Mia Barthold
Der Geschenke-Eiswürfel
Ein quadratischer Eiswürfel auf einer grauen Oberfläche. Um den Eiswürfel herum ist ein Faden gewickelt, der ihn wie ein Geschenk aussehen lässt. Das Interessante daran ist nun, dass der Eiswürfel schon anfängt zu schmelzen.
Warum finde ich das Bild so cool? Vielleicht liegt es ja daran, dass das Foto sehr schlicht ist, aber trotzdem sehr schön wirkt. Und ich finde, dass Geschenke schöne Gesten sind, um etwas auszudrücken. Aber dadurch, dass der Eiswürfel schmilzt, verschwindet das „Geschenk“ bald. Zwar versucht es das Geschenkband noch aufzuhalten, aber das Geschenk ist nach einer gewissen Zeit einfach weg. Und die Geste? Bleibt wenigstens sie im Gedächtnis? Jedenfalls sollten wir alle, immer mal wieder, eine schöne Geste machen!
Luise Boese
Die gefangene Wolke
Eine Wolke in einem Käfig. Das ergibt doch keinen Sinn, oder? Denn niemand kann eine Wolke einfangen und sie dann einfach so in einen Käfig sperren.
Aber vielleicht repräsentiert die Wolke ja deine Persönlichkeit? Für mich wäre dann die Botschaft so: Lass niemanden sagen, welche Person du sein musst. Und wenn du nur willst, kannst du dich immer irgendwie befreien.
Àngel Arbos Diáz
Die Spiegel-Leiter
Im Bild sieht man eine Leiter, die durch einen Spiegel geht. Sie steht in einem gräulichen und relativ traurigen Raum. Der Spiegel ist relativ klein und hat einen etwas dicken Rahmen. Er sieht in diesem leeren Raum besonders eigenartig aus. Die Leiter durch den Spiegel, aber man sieht das Ende der Leiter nicht.
Dieses Bild irritiert mich etwas. Nur warum? Es könnte daran liegen, dass die Leiter am Ende nicht weitergeht und man dabei kein Ende sieht. Dass Sachen oft nicht so aussehen, wie sie eigentlich sind. Aber andererseits kann es auch daran liegen, dass immer, wenn etwas aussieht, als ob es zu Ende wäre, es eigentlich nicht so ist.
Sofia Faull
Um die Glühbirne herum
Eine Glühbirne in der Mitte vor einem grauen Horizont. Es gibt keine Strahlen oder gelbliches Licht, nur weißes Licht und einen grauen Hintergrund. Man kann schwarze Schatten erkennen, die aussehen wie Helikopter, aber Vögel repräsentieren. Diese fliegen um die Glühbirne herum.
Doch sie tun das auf eine Weise, die mich an Freiheit erinnert. Das kleine Lämpchen würde dabei einen riesigen Stern repräsentieren, die Sonne.
Ich finde dieses Foto sehr schön und beruhigend.
Matthias de Carvalho
Das ganz besondere Lagerfeuer
Ein Lagerfeuer ist vor einem grauen Hintergrund zu sehen. Aber kein normales Lagerfeuer. Statt Holzscheite liegen fünf gespitzte Bleistifte im Kreis und in der Mitte brennt eine helle Flamme. Darunter ist sogar Asche zu sehen, als hätte wirklich ein Feuer gebrannt.
Eigentlich wirkt es auf den ersten Blick wie ein normales Lagerfeuer, aber wenn man genauer hinschaut, merkt man, dass etwas nicht stimmt. Für mich bedeutet das Bild, dass Bleistifte nicht nur zum Schreiben da sind, sondern auch Kreativität und Ideen symbolisieren. So wie ein Feuer hell leuchtet, können auch Gedanken etwas zum Strahlen bringen. Aber sie können auch verschwinden.
Außerdem erinnert es mich daran, dass jeder Mensch seine eigenen Entscheidungen treffen und sein Leben so leben sollte, wie er möchte. Ohne dass andere darüber bestimmen.
Eigentlich schön, mal nachzudenken!
Bianca Huber
Schlagwörter: Deutsche Schule Barcelona
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