Nelio Biedermann: Lázár

Nelio Biedermann stellte sein Buch „Lazar“ auf Spanisch und Katalanisch in der Buchhandlung Finestres vor.Foto: laiadina
Europäische Familiensaga
Von Ina Laiadhi, September 2026
Wie kommt ein junger Autor Mitte Zwanzig dazu, sich der Chronik seiner Familie in einem Roman zu widmen? Gibt es kein wichtigeres, aktuelles Thema für die jungen Leute von heute? Laura Calçada befragte Nelio Biedermann in einem literarischen Gespräch in der Buchhandlung Finestres. Der Roman Lázár ist gerade auf Spanisch und Katalanisch erschienen. Die sehr gut besuchte Veranstaltung wurde von den Verlagen, dem Goethe-Institut Barcelona gemeinsam mit den Amigos del Goethe organisiert.
Biedermann, selbst leidenschaftlicher Leser, hat sich von den großen Familiensagas eines Thomas Mann, Gabriel García Márquez, Sandor Marai, Eugen Roth oder Marcel Proust inspirieren lassen. Virginia Woolf prägte seinen Blick auf die weiblichen Figuren. Die Geschichte der Familie Lázár, eines ungarischen Adelsgeschlechts, ist für Biedermann bis heute Teil seiner eigenen Lebensgeschichte. Mit der Geburt Lajos von Lázárs im Waldschloss beginnt zugleich das 20. Jahrhundert, das die Welt der Barone im Süden Ungarns unwiderruflich zerstören wird. Der Zerfall des Habsburgerreichs, Flucht und gesellschaftliche Umbrüche stellen die Familienmitglieder vor große Herausforderungen.
Seiner Großmutter entlockte Bierdermann Geschichten, die ihm als Kind zunächst wie Abenteuer von Prinzessinnen anmuteten. Erst später begriff er, dass diese Geschichte voller Geheimnisse und fremdartiger Gestalten ihre eigene war. So haben sich märchenhaft anmutende Figuren in den Roman eingeschlichen.
Biedermann beschreibt seine Familie so: „Sie lebte lange in eigener Isoliertheit, aber letztlich immer auf der Suche nach Nähe und Zuneigung. In neuen Situationen wirkt sie unfreiwillig komisch, wenn sie trotz Armut an bestimmten Gewohnheiten unbedingt festhält. Zwischen den Figuren klaffen tiefe Gräben, die nur schwer zu überwinden sind. Patriarchale Strukturen bestimmen besonders das Leben der Frauen, deren Unterdrückung Biedermann ebenso thematisiert wie ihre Rolle als diejenigen, die die Familie auch in Zeiten des Umbruchs zusammenhalten.“ Sehr lesenswert!
Infos: alle bei Llibreria Finestres zu erwerben
Verlag Rowohlt, 336 Seiten, 2025, 23.95€, ISBN 978-3737102261
Edición Salamandra, P. 288, 22€, . ISBN: 9791387928018
Edicions 62, P. 366, 22€, ISBN: 978-84-297-8363-6, 22e
Evento patrocinado por el Instituto Goethe de Barcelona y la Fundación Goethe

Schlagwörter: Literatur
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