Afrikanische Schweinepest in Katalonien
Rückkehr nach 30 Jahren

Ins Speergebiet durften keine Privatpersonen, Foto V. Striebinger
Nach drei Jahrzehnten ist die Afrikanische Schweinepest wieder zurück in Spanien. Ende November wurden die ersten mit dem Virus infizierten, toten Wildschweine bei Cerdanyola im Gebiet der Serra de Collserola in der Provinz Barcelona gefunden. Da im Falle eines solchen Ausbruchs vor allem für die Fleischexporte viel auf dem Spiel steht, waren die Maßnahmen umgehend und sehr konsequent. Um den Fundort herum wurde in einem Radius von sechs Kilometern sofort ein Hochrisikogebiet abgesperrt, das bis heute so eingestuft bleibt. Vom Rand dieses Gebietes wurde in einem weiteren Radius von 14 Kilometern ein Gebiet mit geringerem Risiko für 16 Tage bis Mitte Dezember gesperrt. Zum Beispiel durften keine Privatpersonen für ihre Freizeitgestaltung oder für Sportaktivitäten in dieses Gebiet. Zwischenzeitlich waren über 90 Gemeinden in der Provinz Barcelona betroffen.
Das Rennen im Naturpark Collserola sollte am Sonntag, den 30. November von Molins de Rei aus starten. Noch nie hatten wir so intensiv und gezielt für ein Rennen trainiert: Steigerungsläufe am Berg, Intervalltraining auf der Carretera de les Aigues. Eine gute Zeit schien für uns alle möglich, letzte motivierende Worte unseres Trainers, abschließende Tipps. Aber leider sollte all das ungenutzt bleiben… Am frühen Freitagabend, kam die Nachricht per WhatsApp: Das Rennen muss wegen der Schweinepest abgesagt werden. So ein Drama wegen der Schweinepest?
Schweineindustrie als Wirtschaftsfaktor für Spanien
Nach einer kurzen Recherche und dem Verfolgen der Medienberichte Ende November und im Dezember sind einige Dinge schnell klar, von denen wahrscheinlich die wenigsten vorher wussten:
- Die Schweinepest ist ein hoch ansteckendes Virus, das Wildschweine und Hausschweine befällt. Für den Menschen ist es bisher nicht gefährlich.
- Die Mortalität für die Schweine liegt bei annähernd hundert Prozent. Das bedeutet, dass praktisch jedes infizierte Schwein innerhalb der nächsten zwei Wochen stirbt.
- Die Viren, die die Schweinepest auslösen, sind unglaublich robust. In gefrorenem Boden können sie bis zu tausend Tage überleben, also fast drei Jahre lang. Ist der Boden nicht gefroren, überleben sie trotzdem mindestens 70 Tage. Mit zwei Wochen Quarantäne ist es also nicht getan.
- Einen Impfstoff gibt es bisher nicht. Die Entwicklung gestaltet sich als sehr kompliziert. Nach einer Impfkampagne in Vietnam 2022 sind Dutzende Schweine gestorben. Die Impfung wurde daraufhin ausgesetzt.
- In Katalonien leben – je nach Jahreszeit und Fortpflanzungszyklus – schätzungsweise 125.000 bis 180.000 Wildschweine. Nun sollen 60.000 Wildschweine getötet werden.
Noch interessanter als die biologische Dimension sind die wirtschaftlichen Auswirkungen, gerade für Spanien und Katalonien:
- Spanien liegt auf Platz vier der weltweit größten Schweinefleischproduzenten. In der EU ist Spanien das Land, das am meisten Schweinefleisch exportiert. Es liefert fast ein Drittel der gesamten Exporte an Schweinefleisch der EU-Mitgliedstaaten.
- In den vergangenen 20 Jahren hat Spanien Deutschland als größten Schweinefleischproduzenten in der Europäischen Union abgelöst.
- Insgesamt gibt es landesweit knapp 4.000 industrielle Schweinemastbetriebe. Die Hochburg der spanischen Schweinezucht liegen im Norden und Nordosten des Landes.
- Die spanischen Exporte von Schweinefleisch erreichen inzwischen ein Volumen von etwa 8,5 Milliarden Euro jährlich.
- Die katalanischen Exporte machen davon drei Milliarden Euro aus.
- Ein Großteil der Exporte geht nach Asien in Länder wie China, die Philippinen und Südkorea, aber auch Großbritannien importiert einen großen Teil des spanischen Schweinefleisches.
Nach den sofort eingeleiteten Maßnahmen und deren strenger Durchsetzung durch Polizei – teilweise mit Hilfe des Militärs – begann die Suche nach der Ursache. Wo war der Ursprung des Ausbruchs? Schnell kursierte die Theorie eines kontaminierten Bocadillos, das eventuell aus einem Virusgebiet im Ausland eingeführt wurde. Vielleicht lag es in einem Mülleimer und wurde aus diesem von einem Wildschwein gefressen. Daraufhin wurden sämtliche Mülleimer im betroffenen Gebiet gereinigt und desinfiziert, Picknickplätze, sogar auf einem naheglegenen Uni-Campus, abgesperrt.
Schnell kursierte aber auch eine andere Theorie: Was, wenn das Virus aus einem Labor stammt, das nur einige hundert Meter von dem Fundort des ersten infizierten Wildschweins entfernt liegt? Dort wurde zur selben Zeit an der Erforschung eines Impfstoffs gegen die Schweinepest gearbeitet. Allerdings sind die Virenstämme nicht identisch. Abschließend geklärt ist die Ursache des Ausbruchs noch nicht. Mitte Januar wurde das Virus in insgesamt 47 Wildschweinen nachgewiesen.. Bis 24.01.2026 wurden insgesamt 85 Fälle von Schweinepest bestätigt Zuchtbetriebe mit Hausschweinen sind bisher nicht betroffen. Veranstaltungen in der Collserola sind weiterhin verboten. Einen Nachholtermin für unser Rennen gibt es bisher nicht.
Von Verena Striebinger, Februar 2026
Überblicksartikel: https://de.wikipedia.org/wiki/Afrikanische_Schweinepest
Wirtschaft Spanien: https://release.data.widako.23degrees.eu/pdf/ESP_dezember-2025.pdf
Landwirtschaft Spanien: https://www.gtai.de/de/trade/spanien-wirtschaft/landwirtschaft
Reportage über die spanische Schweineindustrie: https://www.youtube.com/watch?v=DWkvv0n7W78
Arte-Dokumentation über den Iberico Schinken: https://www.youtube.com/watch?v=WYt6Aespgh8
Schlagwörter: Umwelt
Share On Facebook
Tweet It





























