Klub Hannah im Januar: Linda Osusky
Ein grünes Dilemma
Zum ersten Klub Hannah des Jahres trafen wir uns im Januar im großen Saal des Goethe-Instituts. Das spannende Thema sorgte für starkes Interesse, und der Saal war entsprechend gut gefüllt. Nach einem lebhaften Networking, dem Kennenlernen und Wiedertreffen von Teilnehmerinnen früherer Treffen konnte der Abend in erwartungsvoller Atmosphäre beginnen. Unsere Gästin war diesmal Linda Osusky – Journalistin und Dokumentarfilmerin. Sie nahm uns mit auf die Entstehungsreise ihres Films „Das Rohstoff-Dilemma“ (*Scars of Growth*), einer abendfüllenden Arte-Dokumentation über die Schattenseiten des europäischen Green Deal.
Linda Osusky studierte Kultur- und Sozialanthropologie in Wien und arbeitete bereits während des Studiums als Journalistin. Ihre Neugier für Film und Fotografie führte sie nach Paris, wo sie das Filmhandwerk als Regie- und Schnittassistentin erlernte. Nach mehreren Kurzfilmen, einem Drehbuch und zahlreichen Reportagen realisierte sie schließlich diese umfassende Dokumentation über die Widersprüche der „grünen“ Wende.
Der Green Deal soll Europa klimaneutral machen – mit erneuerbaren Energien, Windkraft, Solarenergie und Elektromobilität. Doch ist dieser saubere Wandel wirklich möglich ohne massive Nebenwirkungen oder Komfortverlust? Der enorme Energiehunger der neuen Technologien verlangt nach riesigen Mengen an Rohstoffen und Seltenen Erden. Damit wächst Europas Abhängigkeit von rohstoffreichen Staaten wie China.
Um diese Abhängigkeit zu reduzieren, plant die EU, Rohstoffe in Minen verstärkt innerhalb Europas abzubauen. Der Green Deal wird als Win-win aus Wirtschaftswachstum und Klimaschutz angepriesen. Doch „grüne“ Technologien schaffen neue Abhängigkeiten – und neue Konflikte. Denn Bergbau hat eine eher problematische Umweltbilanz, deren Kosten vor allem Menschen in peripheren Regionen tragen, die bisher mehr von Landflucht gekennzeichnet waren. Bei Bergbauunternehmen herrscht also eine Art Goldgräberstimmung. Sie versprechen nachhaltigen, verantwortungsvollen Bergbau und versuchen, die Sorgen der Betroffenen zu beschwichtigen. Für ihren Film reiste Linda Osusky gemeinsam mit ihrer französischen Co-Autorin Monika Grassl an die Ränder Europas und nach Brüssel, ins politische Zentrum der Entscheidungen. Sie begegneten und tauschten sich mit Entscheidungsträger*innen und Lobbyisten aus, die den neuen Ansatz verfechten, aber auch mit Menschen wie Héctor, einem spanischen Bauern, der um die fortführende Nutzung seines Landes kämpft, oder Matti und Karin Niia, lappischen Rentierzüchtern aus Nordschweden, die ebenfalls um ihre Traditionen und Lebensgrundlagen fürchten. Sie alle haben Angst, der Energiewende geopfert zu werden. Sie sind auch unmutig darüber, dass ihre Gebiete dem Komfort und Luxus von Großstädter*innen geopfert werden sollen.
Das Dilemma, ob ein Green Deal überhaupt umweltfreundlich umgesetzt werden kann, konnten wir in unserer Fragerunde abschließend nicht beantworten. Aber wir nahmen viele Anregungen mit, um uns mit dem Thema weiter und mit offenen Augen und Ohren auseinanderzusetzen.
www.scarsofgrowth.com
Von Ina Laiadhi, Februar 2026
Klub Hannah im März, Termin wird noch bekannt gegeben
Goethe Institut Barcelona
Carrer de Roger de Flor, 224, Barcelona
Schlagwörter: Europa, Umwelt
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