Frauenpower (?) in Katalonien
In Katalonien sind Frauen sehr gut organisiert. Innerhalb der Generalitat, der Regionalregierung, gibt es einen nationalen Rat der katalanischen Frauen (Consell Nacional de les Dones de Catalunya, CNDC). Ihm angeschlossen ist das Katalanische Institut der Frauen (Institut Català de les Dones). Beide werden geleitet von der Sozialwissenschaftlerin Sònia Guerra Lopez. Sie ist auch die Generalsekretärin der Regierung für Gleichstellung und Feminismus. Die verantwortliche Politikerin für dieses „Ministerium“, die Consellera d’Igualtat i Feminisme, ist derzeit die Juristin Eva Menor.
Im Dezember 2025 stellte Eva Menor beim 55. Plenum des Frauenrats ein neues interaktives Verzeichnis vor, das mehr als 1000 katalanische Organisationen auflistet, die sich für Frauenrechte einsetzen. 24 davon sind bereits älter als 25 Jahre. Der Katalog wird regelmäßig aktualisiert.
Ein erklärtes Ziel des Frauenrats ist es, eine Gesellschaft frei von männlicher Gewalt zu schaffen und Femizide zu verhindern. Im Jahr 2024 wurden in Katalonien 18 Femizide verübt, von Januar bis September 2025 waren es acht. Bei drei Morden im Familienumfeld waren die Opfer über 71 Jahre alt! Die Zahl der Kinder, die durch frauenfeindliche Gewalt zu Waisen wurden, betrug im Jahr 2025 elf und in den letzten zehn Jahren über hundert.
Die Spezialeingreifdienste gegen männliche Gewalt (Servei d’Intervenciò especialitzada en violències masclistes) mussten im Jahr 2024 11.365 Frauen und Kindern zu Hilfe kommen, 2025 waren es dann schon 12.112. Allein in Barcelona-Stadt gab es 5.636 Einsätze.
Über den kostenlosen Notruf 900 900 120 oder die Emailadresse 900900120@gencat.cat kann man psychologische Hilfe und erste juristische Beratung erhalten (Serveis d’Informació i Atenció a les Dones, SIAD). Im ersten Halbjahr 2025 half dieser Notdienst 19.735 Frauen, davon waren 38% zwischen 30 und 45 und 34,5% zwischen 46 und 65 Jahren alt. 42,9% der Frauen meldeten sich wegen Gewalterfahrung mit ihrem männlichen Partner.
Der 11. Femizid des Jahres 2025 ereignete sich am 31. Dezember 2025. Eine Frau in El Vendrell wurde umgebracht. Es war der 159. Femizid seit Beginn der offiziellen Datenerfassung im Jahr 2012. Das Ministerium für Gleichstellung und Feminismus verurteilte den Femizid und sprach der Familie der Frau sowie den Einwohnern der Stadt sein tiefstes Beileid und seine Unterstützung aus.
Das Aufkommen von Hassreden und rechtsextremen Bewegungen weltweit, insbesondere in den USA und Europa, stellt für die Gleichstellung von Männern und Frauen eine ernsthafte Bedrohung dar. Deshalb trat in Barcelona im September 2025 das Beijing+30-Forum zusammen, eine Gruppe wichtiger politischer und ökonomischer Expert:innen, welche die Fortschritte im Bereich der Geschlechtergleichstellung seit der Vierten Weltfrauenkonferenz in Peking (1995) kritisch und konstruktiv analysierte und die feministische Agenda für die kommenden Jahre festlegte.
Ergebnis ihrer Konsultationen ist das Manifest „Per una societat feminista amb igualtat d’oportunitats“ (Für eine feministische Gesellschaft mit Chancengleichheit), welches im Internet unterzeichnet werden kann: www.forumigualtatbeijingbcn.cat/manifest/
Von Katharina Städtler, März 2026
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Schlagwörter: Frauen
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