Editorial 174- Es lohnt sich zu kämpfen

Ina Laiadhi
Von Ina Laiadhi, Chefredakteurin
Als ich dieses Editorial vorbereitete, hatte ich gerade eine Ausstellung zum Schaffen und Werk von Mercè Rodoreda im CCCB besucht – einer Institution, die sich einmal mehr als verlässliche Adresse erwiesen hat. Mit dem Herannahen des Internationalen Frauentags im März drängt es sich beinahe von selbst auf, den Blick kurz auf Rodoreda zu richten, auch wenn zahlreiche andere Autorinnen hätten Inspirationsquelle sein können: etwa die Madrilenin Almudena Sánchez oder die Baskin Katixa Agirre mit ihren Schriften und Handeln. Zugleich ist in dieser Ausgabe von vielen weiteren Intellektuellen die Rede – von Machado, Benjamin oder Levit –, die in Barcelona oder Katalonien waren, sind oder noch kommen werden. Und doch kehren wir lieber noch einmal zu Mercè Rodoreda zurück: zu einer katalanischen Schriftstellerin des vergangenen Jahrhunderts, deren literarische Universalität von der Kritik immer wieder hervorgehoben wird. Ihre Romane haben nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Jedes Buch ein eigenes Juwel – und „La plaça del Diamant“ nimmt dabei ganz selbstverständlich einen Sonderplatz in unserer persönlichen Bibliothek ein. Der Bürgerkrieg taucht bei ihr immer aus der Perspektive des Alltags und des inneren Erlebens auf. Sie gibt einer Protagonistin eine Stimme. Mercè Rodoredas Gedankengut wird häufig als protofeministisch bezeichnet: Bereits in den 1920er Jahren entwarf sie Frauenfiguren aus unterschiedlichsten sozialen Schichten in ihrer Stadt Barcelona, die nach neuen Lebensentwürfen suchten – jenseits dessen, was von der Gesellschaft vorgegeben war. Die junge Rodoreda rang selbst um Selbstbestimmung, um sich aus den Fesseln einer unglücklichen Ehe zu lösen.
In der Ausstellung erfahren wir, wie sie durch ihren Großvater früh an die katalanische Literatur herangeführt wurde und zugleich über die Poesiewettbewerbe der Jocs de Flors für die Natur sensibilisiert wurde. Entsprechend spielen Parks, Gärten, Bäume und Blumen in ihrem Werk eine wichtige Rolle – oft mit einem Hauch von Mystik. Es liegt ein Duft von Frühling und Hoffnung in der Luft, aber auch von Erde, Regen und Vergänglichkeit. Im Bürgerkrieg ging Rodoreda 1938 ins Exil nach Frankreich, zunächst in der Hoffnung auf eine baldige Rückkehr. Später lebte sie in der Schweiz mit dem Schriftsteller und Journalisten Armand Obiols zusammen, der sie für eine außergewöhnlich begabte Autorin mit großem literarischem Potenzial hielt. Er unterstützte ihr literarisches Werk kritisch und prägte ihr Schreiben maßgeblich.
Rodoreda spielt in Barcelona eine ebenso wichtige Rolle wie Gaudí in diesem Jahr: universell, beeindruckend und immer wieder inspirierend. Wie wichtig ist es, gerade in dieser Zeit, dass Kulturschaffende in dieser neuen Epoche Verantwortung übernehmen – um das Feld nicht allein Kapital und Politik zu überlassen, auf dem Weg, den wir einschlagen wollen.
Schlagwörter: Kultur
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