Lorenzos Hände

Die Skulptur “Give” von Lorenzo Quinn wurde im März im Beisein des Künstlers eingeweiht, Foto: laiadina

Der renommierte Künstler Lorenzo Quinn ist in Spanien kein Unbekannter. Spätestens seit er den Künstler Salvador Dali im Film interpretierte, hat er sich in Katalonien einen Namen gemacht.
Er hätte in die Fußstapfen seines berühmten Vaters treten können, doch er hat sich anders entschieden. Seine Leidenschaft gilt der Bildhauerei, Formgebung und Gestaltung. Dabei hat er sich auf Hände spezialisiert, weil sie am besten seine Botschaften für ein friedliches Miteinander übermitteln. Gerade hat er in Doha und in Washington mit seinen Skulpturen „Building Bridges“ versucht ein Zeichen zu setzen, das Menschen suchen sollten, was uns vereint, statt was uns trennt: Sich die Hand geben und Brücken schlagen, statt Mauern aufzubauen.
Lorenzo ist auch in Castelldefels kein Unbekannter. 30 Jahre hat er hier gelebt seit der Geburt seines zweiten Sohnes. Er spricht fließend spanisch und empfindet Castelldefels als Heimat. Jeder, der hier lebt, hat schon einmal Sonnenuntergang, Palmen und Meer durch seine Skulptur „Give and Take“ am Strand fotogra-fiert. Der Kreis, an dessen Ende sich eine Hand in die andere legt, lässt Raum für viele schöne Interpretationen. Eine ist: Du musst erst gegeben haben, um das Empfangen einer Gabe vollends würdigen zu könne. Seit 2013 ist die Statue am Ende der Strandpromenade zu bewundern und ein beliebter Treffpunkt geworden.
Jetzt hat der italienische Bildhauer sich entschlossen, uns eine neue Skulptur zu stiften. Überdimensionale ausgestreckte Hände überreichen einen lebendigen knorrigen Olivenbaum. Diese Skulptur heißt einfach „Gib“ („Give/ Dar“). Gib, ohne eine Ge-genleistung zu erwarten, und die Belohnung wird immens sein.
Und wieder ist hier dieser ausnehmend schöne Symbolcharak-ter: Frieden geben mit dem Ölzweig, Leben spenden, indem man die Natur schützt. Auch Quinn gibt, ohne zu nehmen, und Castelldefels kann sich daran erfreuen. Tatsächlich soll die Skulptur Teil eines Zyklus sein, der dazu gedacht ist, Kunst der Öffentlichkeit nahe zu bringen, ohne Eintritt, ohne Anstehen, einfach im Vorbeigehen.
Am Samstag, den 21. März, wurde die Statue eingeweiht, doch noch wenige Stunden vorher wurde sie bereits mit Farbe be-schmiert. Ein Akt des Vandalismus, der uns tief trifft. Auch wenn die Farbe sofort entfernt wird, bleibt der Wermutstropfen, dass ein solch schönes Geschenk bei uns nicht sicher ist. Auch dies hat leider Symbolcharakter. Während der Einweihung stehen sieben Polizeiwagen rund um die Skulptur. Wir nehmen die Anschläge ernst, wollen sie zeigen. Quinn sagt, er hofft, dass wir das in den Griff bekommen. Und während Imagine von John Lennon im Hintergrund läuft, kommen viele Castelldefelser, um ihm zu danken und zu seinem Werk zu gratulieren.
Von Kati Niermann, April 2026
Schlagwörter: Kultur, Kunst
Share On Facebook
Tweet It































