Yayoi Kusama – Ein Leben durch die Kunst

Spiegelraum , Foto: Birgit Carls-Eisenberg
von Birgit Carls-Eisenberg, JUni 2026
Die heute siebenundneunzigjährige Yayoi Kusama ist gegenwärtig eine der erfolgreichsten Künstlerinnen weltweit, ein Social Media Star und eine Stilikone. Vor allem durch ihre ikonischen „Polka Dots“ und ihre „Infinity Mirror Rooms“ wurde sie berühmt. Ihr auffälliger Kleidungsstil mit roter Perücke und bunten gepunkteten Gewändern machen sie selbst zur Kunstfigur.
Dabei ist die Kunst für sie eigentlich vor Allem eine Methode der Selbstheilung und ein Versuch, Ordnung in ihr Leben zu bringen.
Sie wurde am 22. März 1929 in Japan geboren und hatte schon als Kind starke Visionen und Halluzinationen. Sie sah sich selbst und ihre Umgebung mit Punkten und anderen sich wiederholenden Mustern überzogen, die sie in die Unendlichkeit zu ziehen schienen. Um ihre psychischen Probleme zu verarbeiten, begann sie zu zeichnen und entwickelte eine eigene Bildsprache aus Punkten und Netzen von Mustern. Im Zentrum ihrer Werke steht die Unendlichkeit des Universums, mit dem alles zu verschmelzen scheint.
Im patriarchalisch geprägten Japan der Nachkriegszeit wurde sie als Frau in der Kunst nicht ernst genommen und sah für sich keine Möglichkeit ihren eigenen Stil zu entwickeln. Sie erhoffte sich in Amerika mehr Möglichkeiten und zog nach New York. Doch auch in New York war es in der von Männern dominierten Kunstwelt für sie schwer, Fuß zu fassen und von ihrer Kunst zu leben. Sie studierte an der Art Students League in New York und nahm an mehreren Gruppenausstellungen mit bekannten Künstlern teil. Anfangs lag ihr Fokus auf der Malerei, später bediente sie sich auch der Fotografie. Sie begann, sich mit Performances selbst zu vermarkten. Einen Durchbruch hatte sie 1966 mit ihrer Installation „Narcissus Garden“ bei der 33. Biennale in Venedig, wo sie ohne offizielle Einladung erschien und „Your Narcisium for sale“ in Form von1500 Spiegelkugeln verkaufte und damit den alltäglichen Narzissmus sowie die Kommerzialisierung des Kunstbetriebs kritisierte. Diese Aktion wurde von vielen Kunstjournalisten als der Höhepunkt der Biennale angesehen und machte sie international bekannt.
Später begann sie selbst erfolgreich, ihre Kunst zu kommerzialisieren, gründete eine eigene Modefirma und kooperierte mit Kosmetik- und Modefirmen wie Lancome und Louis Vuitton.
Im Jahr 1977 kehrte Yayoi nach Japan zurück und wies sich freiwillig in eine psychiatrische Klinik ein, in der sie bis heute lebt und die sie nur noch verlässt, um in ihrem nahe der Klinik liegenden Atelier zu arbeiten.
Die Kunst von Yayoi Kusama und deren Wirkung kann man schlecht beschreiben, man muss sie erleben und dazu hat man derzeit an vielen Orten Gelegenheit. In ihrem Jubiläumsjahr 2025 (sie wurde 95 Jahre alt) gab es eine große Ausstellung der Fondation Beyeler in Basel. Derzeit wird die umfassende Retrospektive im Museum Ludwig in Köln fortgeführt (14. März bis 2. August 2026), um anschließend ins Stedeliijk Museum Amsterdam (11. September 2026 bis 17. Januar 2027) zu wandern.
In Tokio gibt es das von Kusama selbst gegründete Yayoi Kusama Museum mit einer zeitlich unbegrenzten Ausstellung.
Wer nicht so weit reisen möchte kann in Barcelona einen ihrer Infinity Rooms im Moco Museum erleben und das Gefühl, mit der Unendlichkeit zu verschmelzen, auf sich wirken lassen.
Schlagwörter: Frauen, Kultur, Kunst
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