Zum Weltfrauentag in Barcelona

Kunst ist immer auch Bewegung,
Foto: laiadina
Am Weltfrauentag wurde die Straße in Barcelona selbst zur Leinwand. Im Rahmen des Projekts „Kunst in Bewegung“ entstand in Kooperation mit dem deutschen Generalkonsulat Barcelonas eine besondere Form von Begegnungskunst: Kunst, die nicht an Wänden bleibt, sondern mit den Menschen weiterzieht.
Ausgerüstet mit Schablonen in verschiedenen Größen und mehreren Sprayfarben ging ich für drei Stunden durch die Straßen der Stadt und sprach Passantinnen und Passanten an. Meine Einladung war einfach: Wer wollte, konnte eine meiner Frauenfiguren auf einen Gegenstand aus seinem Alltag gesprüht bekommen. Was dann entstand, waren viele kleine Momente der Begegnung. Menschen blieben stehen, schauten neugierig zu und hielten mir schließlich Dinge hin, die sie gerade bei sich trugen: eine Gitarre, ein Rollwagen, Taschen, Pullover, T-Shirts, Stoffbeutel oder sogar ein Koffer für Elektrik. Mit wenigen Sprühstößen entstand jeweils eine Frauenfigur. Und aus einem gewöhnlichen Gegenstand wurde ein individuelles Kunstwerk.
Kunst in Bewegung
Die bemalten Objekte blieben nicht an einem Ort. Sie bewegten sich weiter durch die Stadt, getragen von den Menschen, denen sie gehörten. Genau darin lag die Idee von „Kunst in Bewegung“: Kunst an Orte zu bringen, an denen man sie nicht erwartet: Mitten in den Alltag.
Nicht alle Begegnungen verliefen dabei gleich. Manche Menschen gingen einfach weiter, ohne stehen zu bleiben, andere hörten gar nicht erst zu, so als wäre man für einen Moment unsichtbar. Doch gerade diese Momente machten die Offenheit derjenigen, die stehen blieben, umso besonderer. Viele schenkten mir ihr Vertrauen und ließen mich einfach arbeiten, ohne genau zu wissen, wie das Ergebnis aussehen würde.
Die Idee zu diesem Projekt entwickelte sich über mehrere Jahre hinweg. Zunächst begann ich, meine Frauenfiguren mit Schablonen auf der Straße anzubringen. Dann fing ich an, Türen in Barcelona zu bemalen (in den letzten zwei Jahren über 50).
Dabei wurde eine zentrale Frage immer stärker: Wie kann Kunst noch mehr Teil des täglichen Lebens werden? Wie kann sie Menschen direkt erreichen? Schnell, unkompliziert und mitten im Leben? Indem ich Menschen einlud, ihre eigenen Gegenstände wie z. B. Koffer, Taschen, Kleidung oder Werkzeuge zu Kunstwerken werden zu lassen. So kam das Projekt zustande.
Schon im vergangenen Sommer durfte ich in Barcelona zahlreiche ungewöhnliche Objekte bemalen, darunter Baustellenfahrzeuge, Transporter und Werkzeugkoffer. Auch auf meiner Reise nach Deutschland sprach ich unterwegs Menschen an (unter anderem in Lyon und Brüssel) und verwandelte spontan Alltagsgegenstände in kleine mobile Kunstwerke.
Parallel dazu arbeitete ich zwei Monate lang in Deutschland an einer weiteren Form dieses Gedankens und brachte meine Kunst auf ungewöhnliche Alltagsobjekte wie LKW-Anhänger.
Im Zentrum meines Projekts stand dabei die Kernfrage meiner Kunst: „Wer bist du?“ Sie sollte als kleine Reflexion im Alltag wirken und Menschen dazu einladen, sich mit ihrem wahren Selbst zu verbinden und zu sich zu stehen.
Ein Zeichen zum Weltfrauentag
Der Weltfrauentag bot dafür einen besonderen Rahmen. Die Straßen Barcelonas waren voller Menschen, die für Gleichberechtigung und Sichtbarkeit auf die Straße gingen. Eine Energie der Bewegung, die auch das Projekt auf besondere Weise getragen hat.
Mein besonderer Dank gilt dem deutschen Generalkonsulat in Barcelona für die Unterstützung dieses Projekts. Von Herzen danke ich Herrn Heinz, dass er mich immer wieder ermutigt, größer zu denken und über den Tellerrand hinauszuschauen, um meinem Ziel immer weiter ein Stück näher zu kommen.
Vielleicht begegnet einem eines dieser bemalten Objekte irgendwann wieder auf der Straße. Und vielleicht entsteht in diesem Moment eine leise Frage: Wer bist du?
von Yasmina Abd Elrahman, März 2026
Kontakt
Instagram: minajoe.art
E-Mail: info@minajoe.com
Schlagwörter: Barcelona, Kunst
Share On Facebook
Tweet It































