Ziemlich haarig!

Unserer Redaktion stehen die Haare nicht zu Berge
Dossier Unbeschreiblich weiblich:
Nach einer größeren Umfrage bei meiner männlichen Verwandtschaft steht fest, neben Busen, Beine und Po, können Männer sich bei Frauen auch durch-aus für die Haare begeistern. Natürlich nicht die an Beinen oder Achselhöhlen oder auf den Zähnen!
Nein, das Haar auf dem Kopf ist gemeint und Mann mag es am liebsten lang, blond, gelockt und glänzend und umgeben von diesem unvergleichlichen Duft, wie ihn nur die Industrie hervorzaubern kann. Leider ist nun mal nicht jede Frau mit diesen Attributen auf dem Kopf ausgestattet. Aber nicht verzweifeln, Hilfe ist nah. Denn so ziemlich an jeder Ecke gibt es einen Frisiersalon, wo man darauf spezialisiert ist, an unglücklichen Kunden wieder gut zu machen, was der liebe Gott auf verschiedenen Häuptern offensichtlich vermasselt hat.
Lang soll es sein? Und schon eilt der Meister der Haarverwandlung mit einer Auswahl von wundervollen Extensionen aus echtem Haar (oder sieht es nur so aus?) und natürlich genau in der richtigen Haarfarbe der Kundin, herbei und klammert, steckt und klebt lange Haarsträhnen auf den Kopf seines Opfers bis tatsächlich eine erstaunlich schöne lange Haarpracht entstanden ist. Und natürlich auch klingelingeling die zu zahlende Rechnung eine Pracht ist.
Blond ist gefragt? Das ist so einfach, dass auch die Lehrmädchen ran dürfen. Blonde Farbpaste mit diesem unwiderstehlichen Duft, den nur die chemische Industrie bietet, wird in einem Tiegelchen angerührt und mit dem Pinsel Strähne für Strähne ins Haar gestrichen. Wartezeiten für das Einwirken der Paste werden mit einer Tasse Kaffee und dem Magazin Hola oder Harpers Basar versüßt. Blondinenwitze sind unangebracht, denn auch intelligente dunkelhaarige Frauen kommen blond daher.
Das mit den Locken ist schon etwas komplizierter. Den heißen Lockenstab und das Plätteisen kennt man ja schon länger: Haare drumwickeln, etwas warten und Lockenstab wieder rausziehen. Und voilá, schon hat man eine schöne Schillerlocke. Aber einmal mit dem Kamm durch und schon hat sie sich verabschiedet. Glatte nasse Haare ereilt, nach mühevollem Aufdrehen auf Lockenwickel, nach dem Trock-nen ziemlich bald das gleiche Schicksal. Aber beim Friseur kann man ja unter anderem nicht nur waschen, schneiden, föhnen lassen, sondern kann dort auch tiefer in die Wunderwelt der Chemie einsteigen. Nachdem das Haar mit vie-len, vielen ganz dünnen Holzwicklern schmerzhaft auf dem Kopf festgezurrt wurde, ergießt sich eine extrem unangenehm riechende Flüssigkeit, die einem schier den Atem nimmt, über das ganz Haupt. Das Zeug besteht aus einem Reduktionsmittel, Thioglykolsäure, zum Beispiel, das die Disulfidbrücken im Haar aufspaltet. Dann braucht es ein Alkalisierungsmittel wie Ammoniak zur Haaraufquellung sowie Pflegestoffe, Netzmittel und Parfümöl zur Geruchsüberdeckung. Anschließend braucht es noch ein Fixiermittel (Wasserstoffperoxid), um die aufgespaltenen Disulfidbrücken neu zu bilden und um die sich bildenden Löckchen zu fixieren. Was da so alles über das Haar gegossen wird, enthält Laureth-23, Kaliumcocoylhydrolisiertes Kollagen, Syrene, Acrylamide, Copolymer, Duftstoff….oh, langweile ich Sie? Also Schluss damit, aber nach zwei bis drei Stunden hat man tatsächlich gelockte Haare, eine Dauerwelle, die den Namen wirklich nicht verdient, denn sie ist alles andere als von Dauer.
Und all das nimmt Frau auf sich für, nein, nicht für einen Mann, sondern für sich selber. Denn Haare sind ein extrem wichtiges weibliches Attribut für uns und eine Frisur kann, wenn sie gut sitzt, uns glücklich oder im umgekehrten Fall, außerordentlich unglücklich machen. Ich glaube, ich gehe morgen mal wieder zum Friseur.
von Dixi Greiner, Februar 2026
Schlagwörter: Moderne Welt
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