Oma als Ideengeberin
… und Geschäftsmodell im L’Eixample

Oma Pasqualina und Enkelin Valentina: Geschäftssinn mit Herz, Foto: Miriam Jave
La nonna, Italienisch für Oma, wird assoziiert mit Tradition, gutem Essen und der Seele der Familie. Auffallend, dass sich in die westliche Gesellschaft, geprägt durch kleinere Haushalte, berufliche Mobilität und veränderte Rollenbilder, durch die Hintertür irgendwie die Sehnsucht nach familiären Werten der Großelterngeneration einzuschleichen scheint. „In Grandmothers we trust“ – so wirbt im L‘Eixample ein Café um Kundschaft, eine Pizzeria in der Nähe nennt sich „Concepto Nonna“, schlicht Konzept Oma. Was macht den Charme der Großmütter in der Gastronomie aus? Was wissen, machen, verkörpern sie, dass sich ihnen zu Ehren ein gastronomisches Geschäftskonzept etablieren kann?
Die in Barcelona ansässige Römerin Valentina Pizzuti ist Beweis dafür, wie die um 46 Jahre ältere Oma als Inspirationsquelle gepaart mit Mut, Weitblick und Tatkraft zum Erfolg führen kann. Während der Pandemie hielt sie ihre beiden Töchter bei Laune, indem alle gemeinsam mit dem Tiramisu-Rezept der nonna Pasqualina experimentierten. Am heimischen Küchentisch ergänzten sie es um Früchte, Kekse, Nüsse und Soßen. Vieles wurde für so lecker befunden, dass Pizzuti die Idee kam, damit auch andere Schleckermäuler glücklich machen zu wollen.
Nach Jahren im Angestelltenverhältnis, nach Wohnortwechseln und Familienzeit wollte Pizzuti „als Unternehmerin in die Gesellschaft zurückkehren“, in dieser Form auch als Vorbild für ihre Töchter. Im Jahr 2022 startete Pizzuti ihre Selbständigkeit mit dem Geschäftsmodell Valentina e Pasqualina (VeP) – hausgemachtes Tiramisu nach Omas Rezept, online bestellt und ausgeliefert. Es funktionierte!
Die nächste Etappe folgte im Dezember 2025, als im L‘Eixample das erste Ladenlokal von VeP eröffnete. Von außen wirkt es elegant wie eine Modeboutique, der Verkaufstresen im Inneren ist zeitgemäß im 3D-Druck erstellt. Er symbolisiert farblich die Lagen eines Tiramisus, an der Decke baumeln gehäkelte Deckchen, die je nach Lichteinfall interessante Schatten werfen. Eine stylische Kulisse für Fotos, für Veranstaltungen und Verköstigungen. Was minimalistisch leicht und luftig anmutet, offenbart eine bis ins letzte Detail kongruente und durchdachte Strategie.

Tiramisu-Verkauf im Gewand einer Boutique , Foto Anna Mas
Barcelona steht in Europa für zeitgenössisches Gastro-Design. Da das Auge bekanntlich mitisst, braucht es im Fadenkreuz sozialer Medien ein Verköstigungserlebnis. So werden nicht nur Getränke und Speisen von hippen Globetrottern ästhetisch in Szene gesetzt, sondern immer auch der Ort, das Lokal, das Restaurant.
Um italienisches Tiramisu mit Design und zeitgemäßem Lifestyle zu fusionieren, brauchte es Erfahrung. Gut vernetzt in italienischen Kreisen der Stadt, brachte ein gemeinsamer Freund Pizzuti mit dem ebenfalls in Barcelona ansässigen Landsmann Carmelo Zapulla, Gründer und Visionär des multidisziplinären und renommierten Architekturbüros External Reference, zusammen. Charme und Überzeugungskraft des warmherzigen Enkelin-Omi-Gespanns weckte den Ehrgeiz Zapullas, das Tiramisu-Erlebnis zeitgemäß zu interpretieren. Eine besondere Herausforderung aus begrenzten ökonomischen Mitteln das Maximum herauszuholen, da Zapullas Budgets sonst um ein Vielfaches höher sind.
Für Pizzuti ist ihre Oma pure Inspiration: Pasqualina, die unermüdlich gute Seele und helfende Hand, die immer da ist, zuverlässig, Fels in der Brandung und Ruhepol. Wenn nicht in Haus oder Küche aktiv, dann häkelt sie entspannt filigrane Kunstwerke; auch die, die im VeP-Verkaufsraum in der calle Provença von der Decke baumeln. Für Pizzuti und Zapulla ein wichtiges Detail, das die Seele und Warmherzigkeit der nonna einfängt.
Die DIA-Generationenstudie von 2025 unterstreicht interessanterweise, dass die Beziehung von Großeltern und Enkeln eine besondere sei. Die Weisheit und Erfahrung der älteren Generation kombiniert mit neuen Ideen und dem Tatendrang der Jüngeren, kann zu erfolgreichen Lebens- bis hin zu Geschäftskonzepten führen. Familiäre Bindungen zählen zu den stabilsten Formen der Verbundenheit; Vertrauen und Verlässlichkeit bilden die Basis. Alltagskompetenzen, handwerkliche Fähigkeiten und praktisches Wissen werden gebraucht. Es wäre schön, wenn durch solche Werte die Orientierungslosigkeit der letzten Jahre aufgefangen werden könnte, wird doch gerade die Familie „mit Abstand am häufigsten als Ort gelungener intergenerationeller Zusammenarbeit“ wahrgenommen.
Und was bedeutet das Geschäftsmodell Valentina e Pasqualina der 89-Jährigen Pasqualina? Das Gefühl gebraucht zu werden und einen Grund, noch nicht aus dieser Welt zu scheiden.
Von Katrin J. Wagner, Februar 2026
INFOS & TIPPS
Auf kreativer Spurensuche im L’Eixample…
Architekturbüro External Reference (externalreference.com) – Gestaltungsbeispiele:
Valentina e Pasqualina, c/ Provenza 226; valentinaepasqualina.com
Brauhaus Casa Moritz, Rambla de Cataluña 79
Schmuckboutique La Manso, c/ Enrique Granados 20
Einkehren und kulinarisch Wohlfühlen wie bei Oma:
Brunch & Cake, c/ Rosselló 189 – inspired by “Grandma’s Goodness“
Concepto Nonna, c/ Villarroel 245 -authentische italienische Küche
Schlagwörter: Ausgehen, Kochkunst
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