Wein unter dem Meeresspiegel

Speziell unter Wasser gereift, Foto D. Greiner
Vor langer Zeit, also so vor 10 Jahren, las Sr. Borja Saracho, ein passionierter Taucher und Weinliebhaber, gerne Nachrichten von versunkenen Schiffen und darüber, dass man in den Wracks immer mal wieder Weinflaschen fand.
So wurde zum Beispiel in einer versunkenen Holzkiste eine Weinflasche aus dem Jahr1887 entdeckt, die durchaus noch trinkbar war. Beim Heben der Titanic kamen 1.500 Flaschen zum Vorschein, von denen nach 100 Jahren eine große Anzahl noch intakt und genießbar waren. 2010 fand man sogar in einem Schiff, das 1880 zwischen Schweden und Finnland gesunken war, 168 Flaschen Veuve Clicquot Champagner. Borja fand das hochinteressant, besprach sich mit seinem Freund Javier Ortuonda, einem Meeresbiologen und versenkte, nach der Pressung, Wein in Flaschen, gelagert in wasserdurchlässigen Säcken, in 18-25 m Tiefe im Meer. Ihm leuchtete ein, dass die gleichmäßige Temperatur und Dunkelheit, der sachte Wellengang und ein konstanter Druck, eine ganz spezielle Reifung des Weines bieten würde. So entstand die Weinkellerei „CrusoeTreasure“ in Plentzia, im kantabrischen Meer.
Inzwischen wird mit dieser Methode in vielen Ländern experimentiert. In Frankreich, Spanien, Kroatien reifen Weine in Eichenfässern, Amphoren, Tonkrügen in riesigen Weinkellereien aus Stahlgerüsten in der Meerestiefe. Gute Taucher könnten sich da im Mittelmeer vielleicht mal ein Fläschchen genehmigen. Na ja, so einfach ist das sicher nicht, die Gerüste sind gut verschlossen. Das Ganze ist noch ein Experiment, das unter der Aufsicht einer Gruppe begeisterter Weinliebhaber und Meeresexperten steht. So werden zum Beispiel in Griechenland in wasserdurchlässigen Säcken ganze Weintrauben versenkt, in der Hoffnung, dadurch ein ganz besonderes Aroma zu erzeugen. Das Projekt der Unterwasserweine nennt sich „the celler in the sea“ und ist auf die Dauer von 40 Jahren angelegt. 2019 gab es den ersten Unterwasserwein-Kongress, der 31 Unterwasserwein-Kellereien weltweit verzeichnete. Denn auch in Amerika, Chile, Südafrika und Australien beteiligt man sich an diesem großartigen Projekt. Inzwischen werden auch Schaumweine und Rotwein ins Meer versenkt.
Und weil es so erstaunlich ist, interessieren sich auch Touristen dafür. Also fährt man sie mit Booten zu den Stellen, wo sich die Kellerei im Meer befindet und lässt sie mit Unterwasserkameras in die Tiefe blicken. Anschließend gibt es natürlich auch eine Verkostung (man will ja die lange im Wasser gereiften Weine auch verkaufen, mit 80 oder 100 Euro ist man dabei). Bei normalen Weinproben wird dann gerochen, der Wein im Mund gedreht, leicht geschmatzt und von frisch, elegant, feinherb gefachsimpelt und irgendwas von einem tollen Abgang gemurmelt; kennt man ja. Aber jetzt, mit den Unterwasserweinen, kommen ganz andere Töne auf: mineralische Komplexität, atlantische Frische, vibrierend und straff, markante Salzigkeit usw. Nun bei den Preisen muss man schon etwas besonderes beim ersten Schluck empfinden!
In einem Hotel an der Costa Brava durfte ich einen zwei Jahre alten Unterwasserwein trinken. Vielleicht bin ich nicht ganz normal, aber die Überwasserweine schmecken mir besser, was mir verächtliche oder sagen wir zumindest leicht verwunderte Blicke einbrachte.
Von Dixi Greiner, November 2025
Schlagwörter: Kochkunst
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