Ca la Pilar – ein feministisches Ausflugsziel
Von Katharina Städtler, Mai 2026
Benannt nach ihrer ersten Besitzerin Pilar Moragues i Estradé befindet sich die Ca la Pilar in der Pineda del Remolar am Strand von Viladecans. Erst nach 2008, seit die Betreibergesellschaft des Flughafens AENA das Terrain der Gemeinde überließ, ging man an die Restaurierung des modernistischen Gebäudes.
Dabei wurde das Sommerhaus in der ursprünglichen architektonischen Gestalt wiederhergestellt, die Josep Puig i Cadafalch 1916 entworfen hatte. Erst 2008 war diese bis dahin unbekannte Zeichnung wieder aufgetaucht. Sie ist, ebenso wie mehrere Fotos aus dem vergangenen Jahrhundert, auf einer der Erklärtafeln in der Finca zu sehen. Lediglich der Mast mit den „Piratenbalkonen“ wurde nicht wieder errichtet. Auf einem von Pilar Jiménez, der ältesten Urenkelin von Pilar Moragues, wieder gefundenen Foto aus den 1920er Jahren ist er jedoch gut zu erkennen. Die Zeitung El Peri-ódico veröffentlichte das Foto am 25.1.2024.
Wer hatte sich dieses ungewöhnliche Sommerhaus bauen lassen? Pilar Moragues i Estradé, geboren um 1885, war bereits um 1916 eine junge, wohlhabende Witwe, die oft zusammen mit anderen Familien der Bourgeoisie Barcelonas das Wildreservat eines Jagdclubs im Pinienwald von Viladecans besuchte, z.B. um dort Spatzen zu schießen. Nach der Auflösung des Jagdclubs entstanden mehrere Sommerhäuser auf dem Gelände, z.B. auch Can Roc de la Casa Alta (abgerissen) und Can Conde.
Pilar Moragues beauftragte Puig i Cadafalch, einen der berühmtesten modernistischen Architekten Barcelonas, mit dem Entwurf ihres Sommerhauses. Am 22. April 1917 stellte sie den Bauantrag in Viladecans. 1917 war das Haus fertiggestellt, mit einem Mast mit Aussichtsbalkonen, die heute nicht mehr vorhanden sind. Pilar Moragues, ihre Tochter, später auch Schwiegersohn und Neffen hielten sich in den Sommermonaten regelmäßig dort auf, bis in die 1950er Jahre.
Die Finca, das Wohnhaus und die Nebengebäude waren technisch auf dem neuesten Stand. So wurde der 1430m2 große Teich mittels eines Motors mit Grundwasser versorgt, welches der Bewässerung des Gartens diente. Ein Häus-chen im Süden der Finca beherbergte einen Generator, der die Elektrizität lieferte.
Architektonisch fallen die verschiedenen Fensterformen auf, viereckig und vertikal an der Nordfassade, breit und halb-rund im Erdgeschoss (großer Speisesaal). Im Dachgeschoß sieht man spitze Mansardenfenster, im Keller Tonnengewöl-be. Eine Besonderheit sind die paviments hidraulics im Erdgeschoß. Das sind ungebrannte Zementfliesen, deren temperaturausgleichende Wirkung man jüngst wieder entdeckt hat: Wandtemperatur und Raumtemperatur bleiben kon-stant, auch wenn die Außentemperatur stark ansteigt. Im Inneren kann man verschiedene geometrische und vegetale Fliesenmuster bewundern, wenn das Gebäude für Besucher geöffnet ist. Dies kann man bei der Stadtverwaltung von Viladecans erfragen.
Info
https://ca.wikipedia.org/wiki/Ca_la_Pilar_(Viladecans)
Schlagwörter: Ausflüge, Museen und Sehenswürdigkeiten
Share On Facebook
Tweet It






























