Editorial 177: Das letzte Geschenk
Von Ina Laiadhi, Chefredakteurin, August 2026
Der Artikel von Evelyn Patz Sievers zum 100. Geburtstag von Marilyn Monroe lenkt den Blick auf eine kaum bekannte Seite der glamourösen Ikone. Von Jugend an war sie eine leidenschaftliche Leserin. Und als man nach ihrem frühen Tod ihre Bibliothek anschaute, standen dort neben den großen Klassikern der Weltliteratur auch Werke von Freud. Wer hätte es erwartet?! Es offenbart eine ganz andere Marilyn Monroe. Beim Lesen dieses Beitrags musste ich ebenfalls an den schmerzlichen Verlust unserer Redakteurin Dixi Greiner denken. Auch sie war sehr belesen, neugierig und stets offen für neue Entdeckungen. Wir werden ihren Humor, ihre herzliche Art und ihren feinen, oft ironischen Blick auf die Welt vermissen. Auf der Trauerfeier in der Evangelischen Kirche erzählte mir ihr Sohn, dass auf ihrem Schreibtisch ein Buch mit der Widmung „Für Ina“ gelegen habe. Das berührte mich sehr. Dixi war unseren Leserinnen und Lesern vor allem durch ihre authentischen Restaurantempfehlungen und ihre Begeisterung für gutes Essen vertraut. Vielleicht besteht gerade darin kein Widerspruch, zumal dem französischen Schriftsteller Marcel Proust der Satz zugeschrieben wird: „Gerichte werden gelesen und Bücher werden gegessen.“* Bücher und gutes Essen – beides war für Dixi Ausdruck von Lebensfreude und Neugier. Das Buch von ihr habe ich noch nicht lesen können, da ich noch mit einem anderen Buch beschäftigt bin. Florian Illies schreibt in seinem Buch „Wenn die Sonne untergeht. Familie Mann in Sanary sur Mer“ über die Sommermonate der Familie Thomas Mann und anderer Intellektueller 1933 in Südfrankreich, wo sie versuchen, sich die persönlichen und internationalen Konsequenzen des brutalen Umsturzes in Deutschland zu vergegenwärtigen. Illies offenbart sich als ironischer Erzähler, der uns durch seine profunde Sachkenntnis einen tiefen Einblick in die Welt der einfallsreichen Schreibenden, die immer etwas zu erzählen haben und die auch aus kleinsten Anekdoten oder Begebenheiten einen literarischen Text erstellen können. Der Sommer und seine freie Zeit laden uns jedes Jahr wieder zum Lesen ein. Die Qual der Wahl ist bekanntermaßen sehr groß. Falls Sie noch Ideen suchen, finden Sie bei uns abwechslungsreiche Lesetipps, aus Politik, Gesellschaft, Kultur, Geschichte oder Unterhaltung – sie informieren, inspirieren und eröffnen hoffentlich neue Perspektiven. So ist für nahezu jedes Interesse etwas dabei. Kommen Sie gut durch den hitzigen Sommer, wünscht Ihnen das Redaktionsteam.
*Les plats se lisent et les livres se mangent.
Schlagwörter: Literatur, Moderne Welt
Share On Facebook
Tweet It





























