Patent Nr. 19431 – 80 Jahre Bikini

Mosaik des Mädchens im Bikini in der Villa del Casale, Sizilien
Von Katharina Städtler, Juli 2026
Unter dieser Nummer ließ der französische Maschinenbauingenieur Louis Réard am 18. Juli 1946 einen neuen Badeanzug namens Bikini patentieren. Neu war allerdings nur der Name, der die Bewunderung des Ingenieurs für den ersten Atombombenabwurf der Nachkriegszeit am 1. Juli 1946 auf das Bikini-Atoll widerspiegelt.
Zweiteilige Sport- oder Badebekleidung für Frauen ist nämlich seit der Antike bekannt, wie man einem Bodenmosaik in der Villa del Casale in Sizilien entnehmen kann. Aber im christlich dominierten, körperfeindlichen Europa dauerte es bis Anfang des 20. Jahrhunderts, bis wieder ein Zweiteiler gesichtet wurde. Die Anhänger der Freikörperkultur sowie Schwimmerinnen entdeckten ihn wieder für sich.
Die Reaktion der Politik ließ nicht lange auf sich warten. Die preußische Badepolizeiverordnung vom 18.08.1932 und ihre Ergänzung vom 28.09.1932 regelten das Aussehen der weiblichen Badebekleidung genau:
„Frauen dürfen öffentlich nur baden, falls sie einen Badeanzug tragen, der Brust und Leib an der Vorderseite des Oberkörpers vollständig bedeckt, unter den Armen fest anliegt sowie mit angeschnittenen Beinen und einem Zwickel versehen ist. Der Rückenausschnitt des Badeanzugs darf nicht über das untere Ende der Schulterblätter hinausgehen.“
Damit war der Zweiteiler unmöglich geworden. Er überlebte aber abseits der Badekultur, z.B. auf dem Titelblatt des Stern, der ja auch später für freizügige Fotos bekannt wurde.
Nach dem Krieg erstand er wieder auf wie Phönix aus der Asche. 1946 trug die deutsch-brasilianische Künstlerin Miriam Etz erstmals einen selbstgeschneiderten Zweiteiler als Badeanzug an einem Strand in Rio de Janeiro und erregte damit großes Aufsehen. An vielen Stränden in Südeuropa war allerdings das Tragen des Bikinis verboten. Erst 1949 wurde er an der französischen Mittelmeerküste erlaubt.
1953 trugen sowohl Marilyn Monroe als auch Brigitte Bardot Bikinis im öffentlichen Raum. Ursula Andress zeigte sich im James-Bond-Streifen „007 jagt Dr. No“ von 1962 als Perlentaucherin in einem weißen Bikini mit einem weißen Gürtel um das Höschen für das Muschelmesser. Sie hatte ihn zusammen mit dem Regisseur selbst entworfen. Faktisch wurde der Bikini mehr von den Medien Film und illustrierte Presse propagiert als von den Frauen getragen.
Erst in den späten 1960er Jahren begann der Siegeszug des Bikinis in Freibädern und an den Stränden, einerseits im Rahmen der sexuellen Revolution und

Peppiger Sport am Strand, gerne auch im Bikini, Foto: laiadina
der 1968er Jugendrevolte, andererseits auch durch das Aufkommen des Werbeslogans „Sex sells“.
Der Bikini wurde zum Symbol für die Befreiung des weiblichen Körpers von rigiden Moralvorstellungen. Gleichzeitig wird er jedoch auch als Werkzeug zur Objektifizierung von Frauen im männlichen Blick kritisiert. 2012 lockerte der Volleyball-Weltverband die Kleiderordnung für den weiblichen Beachvolleyball, die bis dahin im Bikini spielen mussten. Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro durften muslimische Sportlerinnen erstmals in Burkini-Ganzkörperanzügen antreten.
Ausflugtipp
https://de.wikipedia.org/wiki/Bikiniartmuseum
Schlagwörter: Frauen, Moderne Welt
Share On Facebook
Tweet It





























