Nachruf: Die liebe Dixi

Unsere Redaktuerin Dixi Greiner brachte von 2018 – 2026 immer Schwung in die Redaktionssitzungen, Fotos. Diverse
von Kati Niermann, Juli 2026
Im Juni traf uns eine Nachricht wie ein Schlag, ein Tiefschlag. Unsere Redakteurin Brigitte Greiner, liebevoll Dixi genannt, wurde von einem Motorrad angefahren und ringt auf der Intensivstation um ihr Leben.
Sofort wollten wir eine Besuchskette bilden, damit sie keinen Tag allein ist. Ihre Familie ist ja so weit entfernt. Doch soweit sollte es nicht mehr kommen. Einmal konnten wir sie besuchen, da war sie schon nicht mehr ansprechbar und war an furchtbar viele Schläuche und Monitore gekoppelt. Die Schäden waren irreversibel und kurze Zeit später ist sie von uns gegangen.
Wieso, das ist eine Frage, die mir seitdem nicht aus dem Kopf will. Es ist ungerecht. Sie hatte sich doch gerade erst vom Tod ihres geliebten Ehemannes erholt. Sie hat auf sich geachtet, hat sich intellektuell gefordert, sich sozial engagiert, besuchte ihre Familie in Deutschland, machte Sport, kam gerade von der Physiotherapie. Eigentlich hat Dixi alles richtig gemacht, sie war ein Vorbild für Menschen, die einen Schicksalsschlag bewältigen müssen, die sich allein dem Altern stellen müssen. Und dann kam eine kleine Unaufmerksamkeit von ihrer Seite oder von Seiten des Motorradfahrers und alles war dahin.
Es ging rasend schnell und was bleibt, ist eine entsetzliche Lücke. Sie fehlt uns im Redaktionsteam des TaschenSpiegel, in der Deutschen Evangelischen Gemeinde, am meisten aber sicher ihren Söhnen und Enkeln. Überall war sie bei all ihrer Bescheidenheit ein Grundpfeiler, eine feste Größe, auf die man bauen konnte. Diese zierliche Frau, als hätte sie ein reiches Maß an innerer Stärke, mit der sie alles zusammenhielt, die sie an alle anderen abgeben konnte.
Gerade hatten wir Dixi noch in der Online-Redaktionssitzung gesehen, „Her mit der Schokolade“ sollte ihr nächster Artikel heißen. Sicher wieder eine ihrer warmherzigen und unverkennbaren Weisheiten mitten aus dem Leben, die nur jemand verfassen kann, der auf einen reichen Schatz an guten Erfahrungen zurückblickt.
Ja, das Leben ist gut zu ihr gewesen. Sie hatte einen liebevollen Mann, zwei Söhne, auf die sie sehr stolz war und Enkelkinder, die zu ihr aufblickten. Sie hat die ganze Welt bereist und bewohnt, zu einer Zeit, als Globalisierung noch ein Fremdwort war, man Briefe schrieb, um in Kontakt zu bleiben. Das Schreiben war ihre Ausdrucksform, gerne durfte es auch mal ein Gedicht sein, wenn etwas sie beschäftigte. Singen, Hören Technik, Vergessen, Altern, Haare, Sterne, Träume, Wein, Kaffee. Kein Thema, dessen sie sich nicht angenommen hätte, das sie nicht gründlich recherchiert und dann ihrer Deutung zugeführt hätte. Ihre Artikel zu lesen, war manchmal wie eine Reise durch die Geschichte, der Tag am Strand, das Erdbeben in Mexiko (1985), die Islas flotantes (1975?), die erste Reise nach Spanien (1958). Aber immer schrieb sie mit einem angedeuteten Lächeln, das zeigte, dass sie sich als Autorin nicht so wichtig nahm.
Noch lieber als im geschriebenen Wort war sie uns in persona, mit ihrem Schmunzeln, ihrem trockenen Witz, wie sie auch über sich selbst lachen konnte. Immer war es eine Bereicherung, wenn sie uns ohne erhobenen Zeigefinger ihre Sicht der Dinge schilderte, mit dem wachen Blick einer fast vergangenen Generation. Den gab sie auch bei einem Projekt in der DSB an die kommende Generation weiter.
Selbst der Corona-Zeit konnte sie Positives abgewinnen, zelebrierte neue kulinarische Genüsse, selbstgebackenen Kuchen und das Skypen mit Familie und Freunden.
Der Tod von Carlos hatte sie hart getroffen. Und uns ist es nun der einzige tröstliche Gedanke, dass sie irgendwo mit ihm wiedervereint ist. Ich stelle mir ein Restaurant vor, wo die beiden sitzen und miteinander lachen, weil sie sich mal wieder etwas bestellt hat, was ihr überhaupt nicht schmeckt.
Es war unnötig und grausam, sie so von einem Tag auf den anderen aus unserem Leben zu reißen, doch wenn sie dafür wieder bei ihm sein kann, sind wir versöhnt.
Schlagwörter: Frauen, TaschenSpiegel
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