Dossier Oliven: Das dunkle Geheimnis des Olivenöls

Olivenbäume so weit das Auge reicht Foto: Uta Illing
Uta Illing /September 2026
Herbstzeit – Erntezeit, leider nicht für alle ein Gewinn
Auf der Fahrt von Barcelona über die Küstenroute in den spanischen Süden passiert man viele recht unterschiedliche Land-schaften. Hat man die Orangenhaine von Valencia durchquert und verlässt die Route Richtung Albacete, gelangt man in die Region Kastilien-La Mancha. Neben eindrucksvollen Schluchten überwiegen jetzt Getreidefelder auf der sonnenverwöhnten Hochebene, der Meseta. Sobald man die Provinzgrenze Richtung Andalusien überquert, dominiert der Olivenbaum. Was anfänglich das Auge beglückt, wird mit jedem weiteren Kilometer zu einer erdrückend monotonen Einheitslandschaft. Olivenbäume soweit das Auge reicht, noch dazu mittlerweile in langen Reihen exakt ausgerichtet, um den maschinellen Einsatz zu erleichtern. Wobei – genau genommen handelt es sich in weiten Teilen Andalusiens mittlerweile um einen sogenannten industriellen Intensivanbau. Was das heißt, versteht man am ehesten, wenn man den zweifelhaften Genuss erfährt, die Erntemaschinen bei ihren nächtlichen Einsätzen zu erleben. Warum nachts? Angeblich wird bei kühleren Temperaturen das Aroma der Oliven besser konserviert. Das hat aber zur Folge, dass die Maschinen mit starken Scheinwerfen ausgestattet sind und wie riesige Staubsauger durch die Plantagen düsen und die Oliven einsaugen. So weit so gut aus ökonomischer Sicht. An das Tierwohl hat man da leider nicht gedacht. Denn die Olivenhaine sind u.a. mangels Naturlandschaft (Hecken, Bäume, einheimische Pflanzen) die Schlafplätze unzähliger Kleinvögel wie Rotkehlchen, Grasmücke, Grünfink, Goldfink, Bachstelze sowie nachtaktiver Zugvögel. Geblendet von dem Flutlichtabbau und in Schockstarre versetzt, verschwinden sie im starken Sog der Erntemaschinen. Schätzungen gehen von sage und schreibe 2,6 Millionen Vögeln aus, die auf diese Weise jährlich ums Leben kommen. Mittlerweile gibt es Initiativen, um dem millionenfachen Vogelmord etwas entgegenzusetzen. Das heißt: Rückkehr zu traditionellen Erntemethoden mit Stöcken und Handlese oder sanften Rüttelmaschinen, also mechanischer Ernte bei Tag. Tatsächlich kann bzw. sollte man als bewusster Verbraucher hier beim Kauf von Olivenöl auf die Kennzeichnung Bird-friendly Harvest achten, was allerdings eine freiwillige Deklaration des Herstellers ist. Erfreulich ist auch, dass die EU mit dem Projekt LIFE Olivares Vivos seit 2015 (zunächst bis 2020 und wegen des Erfolgs der ersten Phase fortgesetzt bis 30.09.2026) die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt in Olivenhainen mit etlichen Millionen Fördergeldern unterstützt. Im Zuge dieses Projekts wurde ein wissenschaftlich fundiertes Zertifizierungssystem entwickelt und so die Olivenbauern geschult und unterstützt, sowohl ökologisch als auch ökonomisch nachhaltiger zu wirtschaften. Es bleibt zu wünschen, dass der Weg wieder hin zu mehr Biodiversität Priorität erfährt und der Olivenbaum für uns weiterhin das Symbol für Hoffnung, Unsterblichkeit und Weisheit bleiben kann.
Schlagwörter: Gesundheit, Moderne Welt, Umwelt
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