Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer
Von Kolja Bienert, September 2026
Wir haben es schwarz auf weiß: 2026 hatten wir den global bisher heißesten Sommer. Der Hitzerekord von 2024 ist bereits Makulatur. Die langfristige globale Erwärmung liegt auf Höchstniveau und für 2026 wird auch der stärkste El Niño seit Beginn der Aufzeichnungen vorausgesagt, mittlerweile mit 95% Wahrscheinlichkeit.
Die Erwärmung des Zentral- und Ostpazifiks bricht alle Rekorde und ihre Auswirkungen werden sich erst im zweiten Jahr, also 2027, voll auf die Temperaturstatistik auswirken. Waren starke El Niño-Episoden vor den 1980er Jahren selten – einmal in 30 Jahren -, sind diese seither immer häufiger geworden. Zuletzt in sehr kurzen Abständen: 2015/2026, 2023/2024, 2026/2027. Der Zeitstrahl seit 1859 spricht Bände (s. Abbildung).
Für Spanien bedeutet dies einen milderen Herbst (‚veroño’) mit mehr Niederschlägen und lokalen Sintfluten. Und dann wahrscheinlich einen Sommer 2027, der den diesjährigen Sommer im Vergleich kühl erscheinen lassen wird. Barcelona sitzen die Hitzewellen und tropischen Nächte seit Mitte Mai noch in den Knochen. Und die sommerlichen Temperaturen scheinen kein Ende zu nehmen. Wie soll das weitergehen?
Die Stadt Barcelona hat bereits jetzt ein Netzwerk von 500 kühlen Orten (kat. refugis climàtics) und gibt ihrer Bevölkerung regelmäßig Tipps zur Anpassung an die Hitze. Die kommunale Hitzestrategie ‚Pla Calor 2025-2035‘ beinhaltet Projekte wie ‚Barcelona a 50 ºC‘, bei dem Bürgerinnen und Bürger ab Oktober in die Vorbereitungen auf 50-Grad-Szenarien eingebunden werden. Digital wird simuliert, was zukünftig Realität sein wird und was dann zu tun ist.
Mit städtebaulichen Initiativen wie der strategischen Entsiegelung und dem Ausbau von Beschattungen und Grünflächen machen die Metropolen Barcelona und Paris, neben vielen kleineren Städten, immer wieder globale Schlagzeilen.
Una flor no fa estiu‘
Eine Blume beziehungsweise eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Die vielen Beispiele guter Praxis einzelner Städte erwachsen aus der Weitsicht einzelner kommunaler Teams. Barcelona ist in den Top 5 der Funktionalen Stadtgebiete (FUA) der EU. Barcelona, L‘Hospitalet del Llobregat, Badalona, etc. bilden einen größtenteils stark versiegelten Teppich aus (Groß)Städten, der in seiner Gänze dem Temperaturanstieg angepasst werden muss. Die AMB (Àrea Metropolitana de Barcelona) als verwaltungstechnische Klammer von 36 Kommunen kann beim notwendigen Gedankenaustausch zumindest als Plattform dienen.
Aber was ist mit den anderen Städten in Süd- und Mitteleuropa? PolitikerInnen der Stadt Köln, Barcelonas Partnerstadt, haben sich bereits vor Ort informiert, wissen aber bereits, dass Ideen aus Barcelona in Köln erst in 10-15 Jahren umgesetzt werden können. Alles braucht natürlich Zeit. Zeit, die wir aber nicht mehr haben.
Was tun? Wer gute Ideen entwickelt oder hier vor Ort sieht, sollte diese gern mit kommunalen Verantwortlichen in anderen Ländern teilen. Eine erprobte Idee aus Barcelona kann in der Heimatgemeinde (z. B. in den DACH-Ländern) ein komplettes Novum sein. Und umgekehrt. Der institutionelle Ideenaustausch findet bereits auf europäischer Ebene in Form von vielfältigen Foren, Arbeitsgruppen und Konferenzen statt.
Dennoch ist es hilfreich, der Hitzeanpassung mit persönlichen Ideen ein Gesicht zu geben. Dafür muss man übrigens kein Umweltaktivist sein. Die unerträgliche Hitze macht schließlich auch vor keiner politischen Couleur halt.
Quelle
Instagram @ourp0lanet_eu, EU Environment & Climate, 10.09.2026
Link
https://www.instagram.com/p/DdHAdENDnyK/?img_index=3&stkn=MW1yZnV4OTR1NjFzaQ==)
Schlagwörter: Moderne Welt, Umwelt
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