Buchtipp: Lea Singer – Eine Frage des Formats
Lea Singer: Eine Frage des Formats, Lucian Freud Portraitiert die Queen
Von Gabriele Jahreiß, OKtober 2026
Die meisten Menschen, die das Porträt der englischen Königin Elisabeth II. (21.4.1926-8.9.2022) von Lucian Freud (8.12.1922-20.7.2011) sehen, sind erst einmal enttäuscht. Das Format ähnelt mit den Maßen 23,5×15,2 cm eher einer Postkarte als einem Staatsgemälde und die Dargestellte hat nichts Staatstragendes außer ihrem Diadem. Was war geschehen? Immerhin handelt es sich bei der Porträtierten und dem Künstler um sehr berühmte Persönlichkeiten, weit über England hinaus.
Im Jahr 2000 hatte Lucian Freud eine Schaffenskrise und bat wohl aus diesem Grund keine Geringere als die Königin höchstpersönlich, ob er von ihr ein Porträt anfertigen konnte. Elisabeth II stimmte zu, da sie nach dem Tod von Prinzessin Diana an ihrem Image arbeitete. Lucian Freud erhielt kein Honorar und er durfte zwischen Mai 2000 und Dezember 2001 in den Palast kommen, wo ihm die Queen Modell saß. Dem persönlichen Assistenten von Freud, David Dawson. ist es zu verdanken, dass zumindest ein Foto von einer dieser Sitzungen erhalten ist.
Anlässlich des 100. Geburtstags der Königin im April 2026 hat die Kunsthistorikerin und Schriftstellerin Eva Gesine Baur, unter ihrem Pseudonym Lea Singer, das sie bei ihren Romanveröffentlichungen verwendet, ein Buch über die Entstehung des Porträts geschrieben. Sie legt dabei den Schwerpunkt auf das, was hinter den verschlossenen Türen an Gesprächen und Dialogen zwischen der Queen und Freud stattgefunden haben könnte. Zwei Berühmtheiten, die im Herbst ihres Lebens, trotz Etikette und Distanz, Nähe, Witz und Ironie zulassen können, die in einer abgehobenen Welt leben und deren Liebe zu Pferden größer zu sein scheint als die zu den eigenen Kindern. Der Leser erfährt amüsante Details und nimmt an Gesprächen zweier sehr interessanter Persönlichkeiten auf Augenhöhe teil. Fast möchte man glauben und hoffen, dass diese Unterhaltungen tatsächlich so stattgefunden haben.
Lea Singers Roman „Eine Frage des Formats“ schafft es auf gerade mal 160 Seiten, Fiktion und Realität spielerisch zu verbinden. Der Leser kommt diesen sonst so weit Entrückten sehr nah. Das Rätsel über das Format des Porträts, das Diadem und das wenig repräsentative Aussehen der Queen werden gelöst. Nach der Lektüre des Romans ist der Blick auf die künstlerische Meisterschaft des Porträts geschärft. Das letzte, sehr märchenhaft gestaltete und aus dem Erzählrahmen des Buches fallende Kapitel des Buches macht dem Leser klar, dass die ganze Geschichte erfunden ist.
Infos
Verlag Piper, 160 Seiten, 24€, ISBN 978-3492074605
Schlagwörter: Biografisches, Literatur
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