Editorial 175: GPS gestört? Augen auf!

Blühen. Aufbrechen. Erneuern. Foto: Uta Illing
In einer Zeit, in der unser politisches GPS durch Kriege, die die Welt erschüttern, gestört ist, kann jede Initiative wie ein Ausweg aus diesem Nebel erscheinen. Seit einiger Zeit arbeitet der TaschenSpiegel wieder enger mit der Deutschen Schule Barcelona zusammen. Ein von Katrin Wagner koordiniertes Projekt ist an den Start gegangen: eine Nachwuchsseite, gestaltet von Lehrkräften verschiedener Fachrichtungen sowie Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Jahrgangsstufen. Ziel ist es, jungen Stimmen ein Forum zu geben und Talente sichtbar zu machen. Inspiration liefert auch die Schülerzeitung der Deutschen Schule Barcelona. Das Magazin ist gestalterisch wie inhaltlich ambitioniert: Es reflektiert das Schulleben, greift Themen aus Kultur und Gesellschaft auf und zeigt, dass Kultur mehr sein kann als ein schnell konsumierbares Angebot. Die Schülerzeitung soll bewegen, Diskussionen anstoßen und Verbindungen schaffen. Verbindungen entstehen auch durch den Austausch selbst. Ein Beispiel dafür ist der generationsübergreifende Workshop an der DSB, bei dem Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit älteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern über Erwartungen, Erfahrungen und gemeinsame Perspektiven diskutierten. Ist das wichtig? Gerade heute stellt sich diese Frage mit besonderer Dringlichkeit. Während kriegerische Konflikte weltweit die Schlagzeilen bestimmen, lohnt ein Blick auf die Grundlagen des Zusammenlebens. Die UNESCO – die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur – formulierte bereits bei ihrer Gründung 1945 einen zentralen Gedanken: „Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden.“ Konflikte speisen sich nicht nur aus politischen Interessen, sondern oft auch aus Misstrauen, Unwissenheit und Intoleranz. Deshalb braucht es Orte des Austauschs – Räume, in denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Der Klub Hannah etwa lädt regelmäßig Speakerinnen ein, die ihre Erfahrungen und Anliegen vorstellen. Beim jüngsten Treffen ging es darum, wie sich mehr Frauen für Wissenschaft und Forschung gewinnen lassen, um die Teams in diesen Bereichen ausgewogener zu besetzen. Ein anderes Beispiel ist das jährliche Treffen der Firma Gemüsering, bei dem Geschäftspartner und Freunde zusammenkommen, um Ideen für mehr Transparenz, Verantwortung und respektvollen Umgang in der Wirtschaft zu diskutieren. Der EU-Politiker Josep Borell trug mit seinem eindringlichen Vortrag zum Verhältnis von Europa zur Welt auch dazu bei, unser GPS zu entstören. Ob Schule, privates Engagement oder Wirtschaft: In all diesen Bereichen werden Menschen zusammengebracht, die sich sonst nicht treffen würden. So wächst das Bewusstsein für die Bedeutung eines offenen, gehaltvollen Dialogs. Jede und jeder Einzelne kann tatsächlich etwas dazu beitragen, dass Konflikte nicht weiter eskalieren. Frieden entsteht nicht allein durch diplomatische Verhandlungen. Er beginnt im Alltag – in unserer Einstellung, in unseren Gesprächen und in der Art, wie wir einander begegnen. Und eine Erkenntnis entsteht: Es macht nichts, den Norden zu verlieren – solange man weiß, wo der Süden ist.
Von Ina Laiadhi, Chefredakteurin, April 2026
Schlagwörter: Moderne Welt
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