Ich sehe was, was du nicht siehst
Wie viele Flaschendeckel verbergen sich auf dem Foto?
Wenn Sie innerhalb von zehn Sekunden mindestens vier ent-deckt haben, kann ich Ihnen zwar nicht ihre geistige Fitness bestätigen, dafür aber meinen ökologischen Frust.
Wenn Sie es dann noch schaffen, die vielen kleinen bunten Plastikkrümel zu zählen, dann funktionieren Ihre Augen noch einwandfrei, aber die Freude darüber bleibt wahrscheinlich aus.
Spaziergänge am kilometerlangen Sandstrand von Castelldefels sind gerade in den Wintermonaten, wenn der sommerliche Lärm der Badegäste von dem Tosen der Brandung abgelöst wird, ein Genuss. Lässt man den Blick bis zum Horizont schweifen, ver-schmilzt das Blau des Meeres mit dem Blau des Himmels – sieht man von den Kondensstreifen der zahllosen Touristenflieger einmal ab. Und wenn dann der Blick nach unten geht, die nack-ten Füße in der Brandung und man vielleicht Ausschau hält nach einer schönen Muschel, die es lohnt mit nach Hause zu nehmen, dann wird es auf einmal bunt. Zu bunt, um biologisches Strand-gut zu sein. Im Sommer, wenn der Beachcleaner schon in den frühen Morgenstunden durch den Sand gepflügt hat, wirkt der Strand meist sauber – vermeintlich. Die Nebensaison bringt es dann an den Tag: Plastikmüll allerorten.
Aber eigentlich wollte ich über Flaschendeckel schreiben. Wir erinnern uns: Seit dem 3. Juli 2024 müssen laut EU-Richtlinie 2019/904 alle Einweg-Getränkeflaschen aus Kunststoff bis zu 3 Litern Inhalt einen fest verbundenen Verschlussdeckel („Tethered Caps“) haben. Diese Maßnahme soll dazu dienen, Plastikmüll zu reduzieren und das Recycling zu verbessern, indem die Deckel nicht mehr in der Natur verloren gehen.
Wie viel Shitstorm diese Richtlinie wieder ausgelöst hat! Dabei wissen die meisten nicht, dass die Plastikdeckel
tatsächlich zu den am häufigsten gefundenen Gegenständen an Europas Stränden zählen. Über das sogenannte Spülsaummoni-toring gewinnt man diese Erkenntnisse und erfreulicherweise ist seit der Einführung der „festen Deckel“ ein signifikanter Rück-gang der Kappen an den Stränden messbar geworden. Wenn also mal wieder der Deckel klemmt, dann den Ärger runterspülen und im Hinterkopf haben, dass die Verschlussdeckel laut wissen-schaftlichem Dienst der EU zu den größten Müllgruppen gehö-ren, die Meeresbiotope belasten.
Ich sehe nicht, was ich nicht sehen will, ist nicht das Gebot der Stunde. Hinschauen dafür umso mehr!
Von Uta Illing, April 2026
Schlagwörter: Umwelt
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