Mina Hamada – Wenn der Pinsel das Leben lenkt

Hamada begann nach einer Bildsprache zu suchen, die unabhängig von Sprache funktioniert. Foto: Hamada
Schon als Kind liebte Mina Hamada es zu malen. Farben, Formen und Bilder begleiteten sie von klein auf, ebenso wie Bücher. In ihrer Familie waren Regale voller Literatur selbstverständlich, besonders illustrierte Kinderbücher prägten ihre Fantasie. Mit 18 Jahren entschied sie sich, Autorin von Kinderbüchern werden zu wollen. Geschichten visuell zu erzählen, erschien ihr als die natürlichste Form des Ausdrucks.
Geboren in den USA und aufgewachsen in Tokio, führte ihr Weg sie zunächst in Japan auf eine Schule für Design und Illustration. Ihr Ziel war klar: Kinderbücher gestalten, mit Pinsel und Papier arbeiten, Figuren und Welten erschaffen. An Wandmalerei oder Straßenkunst dachte sie damals nicht. Dies spielte in ihrem Leben keine Rolle, ebenso wenig wie Spraydosen. Doch ihr künstlerischer Weg sollte sich anders entwickeln als geplant.
Mit dem Umzug nach Barcelona begann eine Phase, die ihr Leben nachhaltig veränderte. Durch Zufall geriet sie in die lokale Kunstszene, nahm an Live Paintings teil und lernte Menschen kennen, die auf der Straße arbeiteten. Vor allem Straßenkünstler öffneten ihr neue Perspektiven. Sie arbeiteten mit Spray auf der Straße, ein Ort, der ihr bis dahin für künstlerischen Ausdruck fremd war. Aus Begegnungen wurden Freundschaften, aus Neugier gemeinsames Malen. Was 2010 als Nebenweg begann, wurde immer mehr zum Zentrum ihres Lebens.
Im Stadtteil Poblenou trafen sich damals Künstler unterschiedlichster Disziplinen in einem besetzten Haus. Musiker, Tänzer, Theaterleute und Maler organisierten gemeinsam ein Kunstevent. Mina Hamada wurde eingeladen, eine Wand zu bemalen. Zunächst arbeitete sie noch mit dem Pinsel, doch nach und nach griff sie zur Spraydose. Sie malte aus Freude, ohne Plan, ohne Erwartung. Ist es diese innere Freude, die uns im Leben auf den richtigen Weg führt?

Hamadas Interesse öffnet sich zunehmend auch für dreidimensionale Arbeiten, Foto: Hamada
Anfangs verband sie ihre Illustrationen mit abstrakten Formen, Linien, Farben und japanischer Typografie. Ganz natürlich begann ein Wandel. Sie begann nach einer Bildsprache zu suchen, die unabhängig von Sprache funktioniert. Die Abstraktion bot ihr diese Offenheit. Jeder durfte sehen, fühlen und entdecken, was er wollte.
Ende 2011 lernte Mina auch ihren Lebenspartner Zosen kennen, der bereits viele Jahre Graffitis und Wände gemalt hatte. Mit ihm entwickelte sie neue Techniken und sie arbeiteten gemeinsam nach und nach an immer größeren Wänden. Für sie war das Malen nie eine bewusste Entscheidung für einen Beruf. Es war etwas Natürliches, das zu ihr fand, als sie ihrer inneren Freude folgte. Ihre Kunst ist lebendig, organisch und voller Farbe. Sie will nicht erklären, sondern einladen. Die Straße wurde für sie ein Ort der Begegnung, an dem Kunst allen gehört.
Heute ist Kunst auch Teil ihres Familienlebens. Sie malt mit ihrem Partner Zosen und ihrer ältesten Tochter. Ihr Interesse öffnet sich zunehmend auch für dreidimensionale Arbeiten, Installationen und Skulpturen. Murals (Wandgemälde) bleiben dabei das Zentrum ihrer Arbeit, doch das dreidimensionale Arbeiten ist zu einem weiteren wichtigen Ausdrucksraum geworden. Mina Hamadas Weg zeigt, dass es manchmal nicht wir sind, die Entscheidungen treffen, sondern dass das, was wir lieben, uns leise führt.
Von Yasmina Abd Elrahman, Februar 2026
Kontakt:
Instagram: mina_hamada
Schlagwörter: Barcelona, Kunst
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