Buchtipp: Schloß Gripsholm
Von Ela Meyer, August 2026
Der Roman Schloß Gripsholm beginnt mit einem fingierten Briefwechsel zwischen dem Erzähler und seinem Verleger Ernst Rowohlt, in welchem ihm der Verleger den Auftrag erteilt, eine Sommer- und Liebesgeschichte zu schreiben. Daraufhin fährt Peter, der Erzähler der Geschichte, mit seiner Freundin Lydia nach Schweden, um dort gemeinsam ihren Urlaub zu verbringen. Für einige Tage bekommen sie Besuch von Kurts Freund Karlchen und später von Lydias Freundin Billie. Sie tanzen und trinken zusammen und necken sich gegenseitig. Alle verstehen sich hervorragend, sogar so gut, dass Billie, die Prinzessin und Peter eine Menage-à-Trois wagen. Der Text vermittelt so viel Leichtigkeit und Wärme, dass man Lust bekommt, sich zu ihnen auf die Wiese zu legen.
Während die Figuren also einen erholsamen Sommer erleben, lauert im Hintergrund das Grauen. Peter und Lydia begegnen einer Gruppe Kinder, die im Haus der schrecklichen Frau Adriani den Sommer verbringen. Die Leiterin terrorisiert und misshandelt die Kinder, und das Paar entwickelt einen Plan, um zu helfen.
Der Roman erinnert daran, wie sehr sich die Geschichte ändern kann, wenn wir füreinander einstehen und den Mut zeigen, uns der Grausamkeit zu widersetzen. Man sollte nicht vergessen, dass Tucholsky diesen Roman zu einer Zeit veröffentlichte, als in Deutschland die Nationalsozialisten an die Macht drängten und sich ihnen viel zu wenige entgegenstellten. Tucholskys Sprache ist originell und humorvoll, trägt viel Leichtigkeit in sich, bringt einen immer wieder zum Lachen und weckt die Lust, eine Handvoll Freund*innen einzupacken und ab nach Schweden in den Urlaub zu fahren.
Ela Meyer ist Autorin und Deutschlehrerin. Sie leitet den Buchclub der Bibliothek des Goethe Instituts Barcelona.
Roger de Flor, 224, E-08025 Barcelona
Tel. 93 292 6006
ulrike.mueller@goethe.de, www.goethe.de/barcelona

Infos
Kurt Tucholsky: Schloß Gripsholm, Manesse Bibliothek der Weltliteratur, 256 Seiten,
Schlagwörter: Literatur
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