Escapada in die Sommerfrische

Marktplatz in Puigcerdà, Foto: Uta Illing
Von Uta Illing /Juli 2026
An und für sich sind Sommer und Frische mittlerweile deutliche Gegensätze. Dennoch lässt sie sich noch finden: die Sommerfrische. Das Wort stammt wohl ursprünglich aus dem Italienischen prendere il fresco und wurde schon im 16. Jahrhundert in Südtirol erwähnt, gesellschaftsfähig wurde sie dann aber im 19. Jahrhundert durch den Eisenbahnbau. Gemeint war damit der sommerliche Rückzug aus der heißen Stadt aufs Land oder in die Berge.
So haben auch viele Barcelonesen sommerliche Rückzugsorte bzw. Zweitwohnsitze meist an der Küste, aber auch in den Pyrenäen. Ein beliebtes und empfehlenswertes Ziel, um dem Trubel der überfüllten Strände zu entfliehen, bietet die Cerdanya, ein breites Hochtal in den östlichen Pyrenäen und von Barcelona aus in nur zwei Stunden Autofahrt erreichbar. Da es auf 1100m Höhe liegt, kann man hier auf ein bisschen Abkühlung in den heißen Sommermonaten hoffen. Wer gerne wandert, Berge erklimmt, Fahrrad fährt oder reitet, kann sich hier austoben. Neben viel Natur lädt die kleine und feine Stadt Puigcerdà, die Regionalhauptstadt, unbedingt zu einem Besuch ein. Hier lässt sich wunderbar durch die Altstadtgassen schlendern. Es existiert noch ein funktionierender Einzelhandel, wohl auch dank der Touristen aus dem nahen Frankreich, die hier gerne mal zum Schlendern und Shoppen vorbeikommen. Besonders sonntags lockt ein bunter Markt mit Obstständen, französischem Käse, Wurstwaren, Haushaltswaren, geflochtenen Korbarbeiten, Kleidung und vielem mehr. Auf der Plaça Major laden zahlreiche Cafés und Bars zu einer Pause ein. Der gotische Glockenturm der Kirche Santa Maria ebenda ist nicht nur schön anzuschauen, sondern man kann ihn auch erklimmen und wird mit herrlichem Panoramablick belohnt. Abrunden lässt sich der Besuch mit einem Spaziergang um den mitten im Ort gelegenen Estany, einen künstlich angelegten See, im Park Schierbeck gelegen, benannt nach dem dänischen Generalkonsul in Barcelona, der 1884 Ländereien rund um den See aufkaufte und in einen Park umgestalten ließ. Nebenbei auch ein sehr schönes Motiv zum Fotografieren, eventuell mit der Villa Paulita im Hintergrund, die zu einem Vier Sterne Hotel geworden ist.
Und noch eine Anekdote zum Schluss: Von 1922, dem Jahr der Eröffnung der Eisenbahnlinie, bis 1936, dem Beginn des Bürgerkriegs, verwandelte sich Puigcerdà jedes Jahr drei Monate lang in den Ort der Sommerfrische vieler Intelektueller, Industrieller, Politiker, und auch Antoni Gaudi gehörte wohl zu dieser illustren Besucherschar. Also dann – nichts wie hin!
Infos: www.spain.info/es/
Schlagwörter: Ausflüge, Katalonien
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