Carme Magem:

Die katalanische Künstlerin Carme Magen in ihrem Atelier in Rellinars. Foto: KJW
Lebenslanger Spagat zwischen Beruf und Berufung
Von Katrin J. Wagner, September 2026
Ungewöhnlich, dass mein Weg zu Carme Magem (Barcelona 1959) in ihr neues Atelier im beschaulichen Dörfchen Rellinars seinen Ursprung im dm-Magazin „alverde“ von Januar 2026 hat. Berichtet wurde, dass die katalanische Künstlerin durch großflächige Schaufenstergestaltungen in dm-Märkten ihre Version des Wohlfühlens interpretierte. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Für Magem kam die Kooperationsanfrage von dm völlig überraschend, die nicht in Spanien tätige Drogeriekette war ihr unbekannt. Bis es zu einer Zusammenarbeit kam, dauerte es. Magem wollte ihre Arbeitsweise, die sie als „sehr handwerklich und langsam“ beschreibt, beibehalten. Frauke Klos, verantwortlich für Kommunikation bei dm: „Die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler erfolgt kuratiert entlang unterschiedlicher Kunststile mit einer positiven, einladenden Anmutung und passenden künstlerischen Interpretationen der dm-Themenwelten. Bei Carme Magem überzeugten insbesondere ihr großflächiger, handwerklicher Collagenstil, ihre positive Bildsprache sowie ihre künstlerische Übersetzung des Mottos.“
Rückblickend bewertet Magem diese Projekterfahrung positiv, als sehr herausfordernd, sich den strikten Vorgaben und festen Terminen stellen zu müssen, ohne ihre Kreativität, ihr Handwerk und auch ihre künstlerische Freiheit zu opfern. „Mein Arbeitsstil besteht aus Pinsel, Händen und Kleber.“ Ihr Anspruch an sich selbst sei sehr hoch, es gebe Tage, da fließe alles, an anderen stagniere der künstlerische Prozess.

Die katalanische Künstlerin interpretierte durch großflächige Schaufenstergestaltungen in dm-Märkten ihre Version des Wohlfühlens , Foto: KJW
Seit ihrer Kindheit hat sich Magem künstlerisch ausgedrückt, egal ob per Schere, Buntstift oder Pinsel, ihre Kreativität war grenzenlos! Bei ihrer Familie stießen diese künstlerischen Ambitionen auf wenig Begeisterung, das Leben müsse finanziert werden, Kunst wäre eher brotlos, der Weg zum Erfolg steinig.
Magem wurde Hebamme, ein Beruf, den sie bis zu ihrer Pensionierung ausübte, überwiegend halbtags. Sie bekam zwei Kinder, ihr Mann reiste beruflich viel. Sie suchte und fand Freiräume, sich kontinuierlich als Künstlerin aus- und fortzubilden. Ein Kunsthochschulstudium war zeitlich nicht möglich; wichtige Meilensteine waren Kurse an der Escuela Municipal de Arte del Sant Cugat de Vallès und am Círculo Artístico de Manresa. 2003 lernte sie in einem dieser Kurse das Erstellen von Collagen, was zu ihrer bevorzugten Ausdrucksweise wurde.
Großflächige Porträts, gestaltet als Collagen und verfeinert durch Ölmalerei, sind Magems Markenzeichen. Ihre Kunstwerke sollen die Gefühlswelt und Einzigartigkeit des Porträtierten einfangen. Ihr Schwerpunkt liegt unverkennbar auf Frauen. „Mein Leben lang habe ich mich mit Frauen verbunden, ich habe ihnen zugehört, habe ihre Gefühle gespürt. Als Hebamme kam ich dieser weiblichen Gefühlswelt sehr nah. Ich bin überzeugt, dass das einen großen Einfluss auf mein künstlerisches Schaffen hat.“ Magem besitzt die Fähigkeit, feinfühlig hinter die Fassade eines Menschen schauen zu können, die Aura einzufangen und sie in Form von feinen Pinselstrichen, hingehauchten Farbsequenzen und strukturierten Papierschnipseln einzufangen.
Ihr Werk umfasst Prominente wie Marilyn Monroe, Frida Kahlo oder Audrey Hepburn; auch die japanische Geisha ist zahlreich dargestellt. Magems Kunstwerke werden national und international gezeigt und ausgestellt. Einen wichtigen Schaffenspfeiler bilden Auftragsarbeiten: individuelle Porträts mit einer unverwechselbaren Handschrift liegen im Trend. „Künstlerische Exklusivität, die Unmöglichkeit, durch ein Click Kopien oder ganze Serien zu produzieren, definieren einen Mehrwert.“ Stundenlanges Stillsitzen, wie früher üblich, entfällt. Magem bittet um Fotos und eine Persönlichkeitsbeschreibung, um den Menschen möglichst vielschichtig einfangen und farblich stimmig darstellen zu können.
Der Spagat zwischen ihrem Beruf und ihrer Berufung war gefühlt ein „konstanter Kampf,“ erklärt Magem. „Ich habe immer zwischen zwei Welten gelebt und mich keiner ganz zugehörig gefühlt. Ich war gerne Hebamme. Doch jetzt als Rentnerin kann ich mich endlich ganz der Kunst widmen. Mein neues Atelier bietet viel Platz, dort lässt es sich wunderbar arbeiten. Ich bin voller Tatendrang!“ Sie resümiert: „Ich hoffe, dass mir das Leben noch viel Zeit schenkt, um mich als Künstlerin zu verwirklichen. Künstler können auch noch mit 90 Jahren erfolgreich arbeiten. Das ist für mich ein sehr wichtiger Anreiz!“
Infos:
www .carmemagem.cat & Instagram: carmemagem
Schlagwörter: Biografisches, Kultur
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